Billige oder teure Pfeile

Von den drei Komponenten Mensch - Bogen - Pfeil ist der Pfeil sicher der zweitwichtigste. Mit einem guten Bogen kann man keinen Holzstecken als Pfeil schießen. Aber mit einem Haselnuss-Stecken kann man sehr wohl mit einem guten Pfeil treffen. Aber wie wichtig sind nun extrem präzise verarbeitete und damit auch teure Pfeile für traditionelle Schützen? Hier wollen wir uns nur mit Holz- und Carbonpfeilen beschäftigen.

Traditionelle Schützen verwenden je nach Bogenklasse entweder Holz- oder Carbonpfeile. Alu und sonstige Materialien spielen eine eher untergeordnete Rolle. Mit einem Selfbow oder Langbogen muss man bei Turnieren Holzpfeile verwenden. Da haben es alle Recurveschützen schon leichter. Sie können auf Carbonpfeile zurückgreifen. Was jeder privat schießt, ist wieder eine andere Sache.

Wesentlich für jeden Schützen – egal, welche Pfeile man nun verwendet – ist der Pfeilflug. Zum einen sollte die Flugbahn bei weiten Entfernungen möglichst flach sein, zum anderen sollte der Pfeil nicht wedeln, reiten oder trudeln. Stimmt der Spine nicht, wird ein Pfeil immer auf seiner Flugbahn wedeln. Passt der Nockpunkt nicht, wird er reiten. Und stimmt beides nicht, wird er trudeln. Das Reiten bekommt man durch Verschieben des Nockpunkts mit Versuch und Irrtum relativ schnell in den Griff. Beim Wedeln ist das schon etwas anderes. Auch hier gibt es Faustregeln, aber letztendlich bleibt auch hier wieder nur Ausprobieren übrig. Nicht der statische, sondern der dynamische Spine, also die Durchbiegung zum Zeitpunkt des Abschusses, ist hier von Bedeutung.

Der statische Spine

Der statische Spine eines Carbonpfeils ist die Durchbiegung in 1/1000 Zoll bei einem Auflageabstand von 28 Zoll, an dem zwei englische Pfund (907 Gramm) aufgehängt werden.
Ein 600er biegt sich dabei 0,6 Zoll durch.

Bei Holzpfeilen ist das etwas anders. Hier ist der Auflageabstand 26 Zoll und der Spine wird in Pfund gemessen. Dazu muss die Durchbiegung umgerechnet werden.
26 : Durchbiegung = Pfund
26 : 0,5 Zoll = 52 Pfund


Neben den Flugeigenschaften sollte man auch noch bedenken, ob man sich nur Schäfte oder Fertigpfeile kauft. Letztere sind meist Billigpfeile. Dabei sind in den meisten Fällen weder der Spine noch die Befiederung oder die Länge individuell abgestimmt.

Spinemessung bei Carbon- und Holzpfeilen:
Auflageabstand 26 und 28 Zoll

Holzpfeile

Eigentlich ist die Vorgabe, dass man bei Turnieren mit einem Langbogen Holzpfeile schießen muss, anachronistisch. Im Bogen sind Glas, Carbon mit Hochleistungsklebern verarbeitet, aber der Pfeil muss aus Holz sein. Bei Selfbows ist das ja noch einzusehen.

Holz hat aber den Nachteil, dass es nicht homogen ist. Durch die Jahresringe ist die Dichte in jedem Pfeil unterschiedlich. Damit haben Schäfte aus ein und demselben Stamm unterschiedliche Spines und Gewichte. Auch sind nicht alle Schäfte gerade.

Nun kann man zum einen Fertigpfeile, zum anderen Schäfte in einer bestimmten Spinegruppe, meist in 5er-Gruppen angegeben (z.B. 35 bis 40 Pfund) oder drittens auch handverlesene Schäfte kaufen. Kauft man sich Fertigpfeile, wird man unter Umständen zwar schöne bekommen, ob Spine und Gewicht auch gleich sind, ist zu bezweifeln. Allein beim Schaftgewicht gibt es Unterschiede von bis zu 7 Gramm (108 Grain). Und der Spine weicht sehr oft bis zu 10 Pfund ab. Bei Fertigpfeilen sollte man darauf achten, dass zumindest die Spitzen handelsübliche Feldspitzen sind. Das erkennt man daran, dass es dazu Gewichtsangaben (z.B.: 60, 80, 100, 125 Grain) gibt. Spitzen aus Blech findet man meist auf Anfängerpfeilen. Fertigpfeile gibt es ab € 7,50.

Will man seine Pfeile selbst bauen und kauft Holzschäfte in einer bestimmten 5er-Spinegruppe, hat man genau das gleiche Problem. Die Abweichungen sind teilweise sehr groß.

Wer bezüglich Trefferquote noch nicht am obersten Level ist, wird zu solchen Schäften greifen. Man muss aber damit leben, dass jeder Pfeil anders ist. Und vielleicht wirkt sich diese Ungleichheit auch gar nicht so gewaltig aus. Wer auf 18 Meter einen Streukreis von 40 bis 60 Zentimeter Durchmesser hat, gehört sicher noch nicht zu den Präzisionsschützen. Hier zahlen sich sehr teure Holzpfeile noch nicht aus.

Anders ist die Sache allerdings bei Leuten, deren Streukreis auf 18 Meter bei 20 Zentimeter oder weniger liegt. Hier sollte man zu Qualitätsschäften greifen. Diese werden oft als Premium-Schäfte angeboten und kosten gleich doppelt so viel wie die Schäfte in 5er-Gruppen. Sie sind bezüglich Gewicht und Spine in etwa gleich. Kleine Abweichungen müssen aber auch hier akzeptiert werden. Wer es sich richten kann, sollte sich die Schäfte beim Händler seines Vertrauens selbst ausspinen und auswiegen. Dann hat man sicher die besten Holzpfeile.

Carbonpfeile

Recurveschützen schießen vernünftigerweise Carbonpfeile. Auch hier sollte man zwischen Fertigpfeilen und Pfeilen, die man sich in Länge, Spine , Spitzengewicht und Befiederung selbst zusammenbaut, unterscheiden.

Compoundschützen, die auf 18 Meter fast immer den 10er mit einem Durchmesser von 1 Zentimeter treffen wollen, brauchen natürlich bestens abgestimmte Pfeile. So präzise sind auch die besten traditionellen Schützen nicht. Deshalb stellt sich die Frage: Müssen Carbonpfeile wirklich auf das Grain genau und bei der Geradheit auf 0,002 Zoll (5/100 mm) ausgesucht sein? Diese kosten nämlich pro Schaft zwischen 25 und 40 Euro. Oder tun es auch Schäfte mit einer Geradheit von 0,006 Zoll (6/1000 mm)? Brauchbare bekommt man hier schon ab 5 Euro. Das macht aber einen Unterschied. Für die Präzision von traditionellen Schützen reicht das allemal.

Leider haben die wenigsten traditionellen Schützen eine immer gleiche Schusstechnik. Auch Experten bekommen das nicht zu 100 Prozent immer hin. Und genau die größeren und kleineren Abweichungen im Auszug, in der Rückenspannung und beim Lösen machen diese Ungenauigkeit aus.

Neben der möglichst immer gleichen Schusstechnik ist eine saubere Flugbahn, ohne wedeln oder trudeln sehr wichtig. Dazu muss, wie bereits gesagt, der Spine passen. Wer also passende Pfeile sucht, sollte zuerst einen Blankschafttest (auch Rohschafttest genannt) machen. Dazu sollte man aber den Spline (Anmerkung: mit „l„ geschrieben) beachten.

Wichtig ist auch, dass die Pfeile eine flache Flugbahn haben, wenn man weiter – z.B. bis 54 Meter – schießen will. Das hängt mit dem Gewicht, dem Spitzengewicht, dem Durchmesser, dem FOC (Front of Center) und der Befiederung zusammen.

Es geht also nicht so sehr darum, möglichst gerade und damit auch teure Pfeile zu haben. Vielmehr ist ein guter, gerader Pfeilflug das Wesentliche.

Trotzdem ist es auch bei billigeren Schäften wichtig, auf die Qualität zu schauen. Dabei geht es darum, was die Schäfte aushalten. Nun werden ja alle Schäfte in Asien gefertigt, auch wenn am Schaft der Name eines amerikanischen oder europäischen Herstellers steht. Großkunden, wie Easton, haben nämlich die Möglichkeit vor Ort eine Qualitätskontrolle durchzuführen. Kleine oder kleinste Auftraggeber haben das nicht und bekommen daher oft nicht 1A-Qualität geliefert. Und Hersteller aus China selbst sind bezüglich Qualität auch nicht sehr zuverlässig.

Worauf sollte man nun bei billigeren Pfeilen achten? Zuerst einmal geht es um den Pfeilbruch. Da ja die meisten traditionellen Schützen auf 3-D-Parcours unterwegs sind, bleiben Fehlschüsse nicht aus. Und da in der Natur Steine des Öfteren auch rund um 3-D-Ziele liegen, sind abgebrochene Pfeile oft das Resultat. Auch spleißen Schäfte an der Spitze oft auf, wenn sie auf einen harten Gegenstand treffen. Ähnliches gilt für das Ende des Schaftes. Auch hier platzt der Schaft beim Auftreffen auf einen harten Gegenstand auf. Und ein Abrieb der Holzimitation zeugt auch nicht gerade von guter Verarbeitungsqualität.

Aufgeplatzter Schaft an der Spitze Aufgeplatzter Schaft am Schaftende Abrieb vorne

Die Moral von der Geschicht ...

Wer Holzpfeile schießen will oder muss, sollte seinem Können entsprechend die Holzpfeile oder Schäfte auswählen. Für einen wenig geübten Schützen sind Premiumschäfte oder per Hand ausgesuchte (gespint und gewogen) vielleicht nicht die beste Idee. Holzpfeile brechen nun mal sehr leicht. Experten hingegen sollten nur auf Premiumschäfte setzen. Diese kann man bereits ausgesucht kaufen. Trotzdem sollte man jeden einzelnen nochmals wiegen und spinen.

Traditionelle Schützen sind in der Regel wegen der Schusstechnik und dem Bogen im Vergleich zu Schützen mit technischem Gerät (z.B. Olympic oder Compound) so unpräzise, dass sich sehr teure Carbonpfeile nicht rentieren. Hier sollte man besser auf den Pfeilflug und die Bruchstabilität der Pfeile achten.

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