Rean Steenkamp: Bogenjagd

Der Autor: Rean Steenkamp
Der Autor: Rean Steenkamp Südafrikaner, Bogenjäger mit traditionellen Bögen und Compound, ehemaliger Herausgeber einer Bogenjagdzeitschrift

Die Bogenjagd ist in Südafrika sicherlich nicht mehr so populär wie noch vor zehn Jahren, aber viele Jäger bevorzugen immer noch den Bogen gegenüber dem Gewehr. Die Möglichkeiten zur Bogenjagd im Land sind nämlich reichlich vorhanden. Auf Jagdfarmen, die eigentlich Jagdbetriebe sind und davon einen Gewinn erwirtschaften müssen, wird in großen Arealen gejagt. Das beschert den Betreibern und den dort arbeitenden Einheimischen bisher ein gutes Einkommen; bisher!

Als ich vor 2 Jahrzehnter das afrikanische Bowhunter Magazin gründete, war klar, dass die Bogenjagd im Land immer beliebter wird. In den folgenden Jahren begannen viele Jagdfarmen (game farms), sich auch für die Bogenjagd zu öffnen und immer mehr Jäger begannen, ihre Gewehre gegen einen Bogen zu tauschen.

Im Jahr 2000 gab es zwei Bogensportgeschäfte in Pretoria, eines in Johannesburg und eines in Kapstadt. Doch schon bald eröffneten Shops im ganzen Land, sogar in kleinen Städten wie Ellisras und Vaalwater. Bogenjagd war sicherlich der neue Trend in der Jagdindustrie. Das Interesse an der Bogenjagd wuchs weiter, vor allem aufgrund der strengen Waffengesetze im Land, die es schwierig machten, Jagdgewehre zu besitzen. Da sich die Compoundbögen ständig weiterentwickelten, kauften viele Bogenjäger alle zwei Jahre einen neuen Bogen oder sobald ein neuer Bogen auf den Markt kam. Dies trug wesentlich dazu bei, das Wachstum der Bogenjagdindustrie zu fördern und den Bogengeschäften zu großen Gewinnen zu verhelfen.

Als die Waffengesetze um 2004 geändert wurden, wurde es wieder einfacher, Gewehre zu besitzen. Es dauerte jedoch sehr lange, bis eine neue Lizenz für ein Gewehr genehmigt wurde. Der Kauf eines Bogens aus dem Regal war viel einfacher, da hier keine Lizenz erforderlich war. Um 2013 musste die Polizei per Gesetz innerhalb von drei Monaten neue Zulassungsanträge bearbeiten. Waffengeschäfte sahen darin eine Chance und nutzten die Situation aus, indem sie billige Gewehre importierten. Ein Jäger konnte so eine neue .308 zum halben Preis eines neuen Compounds kaufen.

Verstärkt wurde diese Situation auch durch die Züchtung von Farbvarianten bei Wildtieren. Hier etablierte sich ein Spekulationssystem, bei dem schwarze oder weiße Impalas, Blessböcke und andere Antilopen zu astronomischen Preisen gehandelt wurden. Umgerechnet € 300.000,- konnten da schon mal für so einen Bock erzielt werden. Dieses Wild wurde so teuer, dass die Zucht und der Verkauf auf Auktionen wesentlich rentabler als die Jagd wurden. Mit dem Verkauf einiger Tiere konnte man mehr verdienen als in einer Jagdsaison mit allen Jägern zusammen. Ein anderer Grund war der südafrikanische Rand, der gegenüber dem US-Dollar und anderen Währungen an Wert verlor. Damit wurden die amerikanischen Bögen noch teurer.

Ich erinnere mich noch, wie ich im Jahr 2017 in meiner damaligen Bogenjagd-Zeitschrift geschrieben habe, dass die Bogenjagd eine sehr schwierige Branche ist. Die Preise für Bögen waren in die Höhe geschossen, viele Bogensportgeschäfte schlossen ihre Tore und viele Jäger, die mit der Bogenjagd begonnen hatten, weil sie damals keine Gewehrlizenzen bekommen konnten, kehrten zu Gewehren zurück. Es zeigte sich auch, dass die Entwicklung der Compoundbögen technisch einen Höhepunkt erreicht hatte. Bogenschützen und Bogenjäger fingen an, ihre alten Bögen viel länger zu schießen. Bei den hohen Preisen, die Bogenjäger in Südafrika für einen neuen Bogen bezahlen müssen, waren die kleinen Änderungen an den neuen Modellen kein Anreiz mehr, einen alten Bogen gegen einen neuen einzutauschen. Ein Bogen, der bisher gut funktionierte, konnte also auch länger geschossen werden. Es blieben nur noch wenige große Bogenshops im ganzen Land übrig.

Derzeit sind neue Bögen immer noch teurer als ein neues Gewehr. Aus diesem Grund entwickelt sich der Gebrauchtbogenmarkt sehr gut. Viele potenzielle Jäger entscheiden sich jedoch, wenn sie die Wahl haben, immer noch für ein Gewehr anstelle eines Bogens, weil es eben billiger ist. Harry Marx, Präsident der South African Bowhunters Association (SABA), sagt: „Der Bogenmarkt ist statisch. Die Bogenjagd ist derzeit ein Nischenmarkt. Die Covid-Wirtschaft setzt alle Jäger sowie Wildfarmen unter Druck. Allerdings normalisieren sich die Preise wieder." Nimmt man die Teilnahme an Wettbewerben als Indikator, kann man auch feststellen, dass die Bogenjagd seit 2015 zurückgegangen ist. Er sagt auch, dass die meisten Wildfarmen, die wieder die Bogenjagd anbieten, in Zukunft wieder gut gebucht sein werden.

Die oben erwähnte Zucht von Wildtieren mit ungewöhnlichen Farben, in der Hoffnung, dass Jäger viel für den Abschuss bezahlen würden, ist 2018 auf spektakuläre Weise gescheitert. Dieses „Schneeballsystem„ musste früher oder später zusammenbrechen. Die Tiere hatten plötzlich nur mehr den normalen Wert. Aufgrund dieser Situation haben viele Jagdfarmen, die wegen der Zuchtprogramme für die Jagd geschlossen wurden, jetzt wieder geöffnet.

Moselesele zum Beispiel, eine spezielle Bogenjagdfarm, auf der ich seit 2006 jedes Jahr gejagt habe, schloss um 2012 ihre Tore für die Jagd. Der Grund war, weil man sich auf die Zucht von Büffeln, Sableantilopen und Farbvarianten konzentrierte. Vor etwa drei Jahren öffnete die Farm wieder ihre Pforten, allerdings nur für ein oder zwei große Jagdgruppen pro Jahr. Letztes Jahr haben sie beschlossen, wieder für die gesamte Jagdsaison zu öffnen. Alles ist wieder normal. Jetzt kann man wieder alle Antilopen sowie auch die vorher gezüchteten Farbvariationen zu normalen Preisen jagen.

Die Erlangung einer Waffenlizenz wurde in den letzten Jahren wieder viel schwieriger, da sich ein riesiger Rückstau bei der Erledigung bildete und Jäger wieder sehr lange auf die Genehmigung von Lizenzen warten müssen. Auch die südafrikanische Regierung drängt wieder auf strengere Waffengesetze. Das wird sicherlich wieder einen Aufschwung für die Bogenjagd mit sich bringen.

Man sieht heutzutage auch ein größeres Interesse an Armbrüsten. Viele Gewehrjäger entscheiden sich eher für eine Armbrust als für einen Compoundbogen, weil so ein Gerät einfacher zu handhaben ist. Noch vor 15 Jahren waren Armbrüste sehr unbeliebt und kein Bogenjäger hätte damit geschossen. Seither hat sich die allgemeine Meinung jedoch geändert. Armbrüste sind jetzt mit der gleichen Technologie ausgestattet, die für Compoundbögen entwickelt wurde. Sie schießen schneller als Compoundbögen und sind extrem präzise. Ein anderer Vorteil einer Armbrust ist, dass jeder damit schießen und jagen kann, ohne dass sie speziell auf den Schützen abgestimmt werden muss. Sie erfordert weniger Übung, um präzise zu treffen. Armbrüste können auf der Jagd in beengten Situationen verwendet werden und erfordern weniger eigene Bewegung, um einen Schuss abzugeben.

Obwohl der Boom in der Bogenjagdindustrie vorbei ist, ist die Bogenjagd in Südafrika immer noch lebendig. Ausländische, vor allem amerikanische und europäische Jäger, sind derzeit die Zielgruppe der Jagdanbieter. Die Südafrikaner jagen im Gegensatz zu den Ausländern nicht wegen der Trophäen, sondern des Fleisches wegen. Außerdem jagt oft die ganze Familie. Vor kurzem sprach ich mit Fritz Rabé, einem bekannten südafrikanischen Berufsjäger, über die aktuelle Situation der Bogenjagd im Land. Er meint: „Die sehr hohen Preise für Compoundbögen führen dazu, dass viele Menschen ihrem Nachwuchs nicht das Bogenschießen beibringen, weil heranwachsende Kinder alle paar Jahre einen neuen Bogen brauchen. Mit einem Gewehr kann die ganze Familie jagen. Bei der Bogenjagd muss jedes Familienmitglied seinen eigenen Bogen haben. Deshalb verkaufen sich auch Armbrüste so gut."

Ich bin auch der Meinung, dass die Bogenjagd stagniert, weil mein früheres Bowhunter-Magazin nicht mehr in den Regalen des Einzelhandels steht und so das Interesse potenzieller neuer Jäger nicht geweckt wird. Natürlich hatte Covid in den Jahren 2020 und 2021 große Auswirkungen auf die Jagdwirtschaft. Praktisch alle ausländischen Jäger blieben aus. Wenn man bedenkt, dass viele Jagdbetriebe und deren schwarze Angestellten fast ausschließlich davon leben, kann man sich die Probleme der letzten zwei Jahre vorstellen. Aber ich bin sicher, dass die Jagd wieder zur Normalität zurückkehren wird, sobald die Pandemie und die Sperren vorbei sind.

Fritz Rabé meint ebenfalls: „Die Kunden kommen schön langsam wieder zurück. Deshalb sind auch wir Berufsjäger und Jagdanbieter zuversichtlich, was die Zukunft betrifft. 2018 und 2019 waren 35 Prozent meiner Kunden Bogenjäger. Die letzten zwei Jahre waren hart. Ich denke aber auch, dass auch die Bogenjäger aus Übersee wieder kommen werden, wenn alles vorbei ist."

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