10 große Irrtümer beim Bogenschießen
Irrtum 1: Das kann ich alleine lernen
Bogenschießen sieht zugegebenermaßen für einen Außenstehenden sehr einfach aus. An der Schnur ziehen und loslassen. Und genau das animiert sehr viele, ohne Anleitung oder Hilfe zu beginnen. Hinweise von Freunden oder Vereinskollegen werden oft nicht verstanden, geschweige denn, dass man sie umsetzen kann. Also lernt man es meistens nicht richtig. Man hämmert sich sozusagen die Fehler ins Gehirn hinein. Will man es später richtig lernen, steht die falsche Technik im Wege. Man muss mühsam das Alte „verlernen„ und das Neue „lernen„.
Irrtum 2: Das ist sehr einfach
Es sieht alles einfach aus; das Gerät, die Schusstechnik uvm. Allerdings sollte man eine Grundahnung von der Materie haben. Es gibt viele Bücher und auf Youtube auch eine Unmenge von Videos. Wer sich aber nicht die Mühe macht, sich mit den Dingen auch theoretisch auseinanderzusetzen, wird auch Inhalte von Büchern und Videos nicht so verstehen, wie sie gemeint sind. Denn Wissen um Sachverhalte, sei es was den Bogen, die Pfeile oder die Schuss- und Zieltechnik angeht, ist wichtig, um Fortschritte zu machen.
Irrtum 3: Nur eine saubere Schusstechnik ist wichtig
Wenn man nicht trifft, muss es einen Grund dafür geben; logisch. Es ist klar, dass man sauber schießen, also eine gute Schusstechnik haben muss. Das alleine ist aber zu wenig. Wenn der Abschusswinkel nicht passt, kann man die weltbeste Schusstechnik haben; man wird nicht treffen. Also muss es neben einem sauberen Schussablauf noch etwas geben.
Und das ist die Zieltechnik. Wenn man den Begriff Zieltechnik als Einstellen des Abschusswinkels interpretiert, muss man auch daran arbeiten. Und es gibt eine Menge Möglichkeiten diesen Winkel einzustellen.
Irrtum 4. Wer trifft, hat Recht
Wenn der Pfeil genau in die Mitte trifft, kann das zwei Ursachen haben. Einerseits kann man ein guter Schütze sein, der sowohl Schuss- als auch Zieltechnik beherrscht. Es kann aber auch reiner Zufall sein. Wer das wissen will, braucht nur einen zweiten und dritten Pfeil zu schießen. Wenn auch die genauso gut treffen, war es Können, sonst Zufall.
Es ist also wichtig, dass man seine eigene Leistungsfähigkeit kennt und auch beurteilen kann, ob es nun Können oder Glück war. Dazu eignet sich der Streukreis. Jeder hat auf eine bestimmte Entfernung einen Bereich, in dem die meisten Pfeile stecken. Wer also auf 30 Meter einen Streukreis von 2 Meter Durchmesser hat, kann wohl nicht behaupten, dass es Können war, wenn der Pfeil in der Mitte steckt. Also sollte man herausfinden, wie der Streukreis auf eine bestimmte Entfernung etwa aussieht und natürlich auch üben, dass er kleiner wird.
Irrtum 5: Ein schöner Bogen schießt gut
„Ich habe mir den Bogen gekauft, weil er mir so gut gefällt„, hört man des Öfteren. Leider schießt das Ding nicht annähernd so gut wie es aussieht. Wer sich also einen Bogen zulegt, sollte zuerst darauf achten, was er damit machen will. Will man Turniere schießen, hat man andere Anforderungen, als wenn man nur zum Spaß auf einem 3-D-Parcours unterwegs ist. Erst wenn das alles geklärt ist, kann man auf die Optik schauen. Optimal ist natürlich, wenn der Bogen gut schießt und noch dazu ein Hingucker ist.
Irrtum 6: Der trifft, also versteht er etwas von der Materie
Es gibt eine Menge Leute, die gut schießen, oder zumindest glauben, dass sie das tun. Wer etwas gut beherrscht – und das betrifft nicht nur das Bogenschießen – muss noch lange nicht wissen, wie es richtig vermittelt werden kann. Den Spruch „Er ist zwar ein Experte auf seinem Gebiet, aber kein guter Lehrer„, haben sicher alle schon einmal gehört.
Deshalb sollte man auch hier vorsichtig sein. Viele „Experten„ wissen oft gar nicht, warum sie treffen. Sie haben es auch nie theoretisch durchdacht. Es funktioniert bei ihnen einfach. Ob die Ratschläge aber auch etwas taugen und bei jedem genauso gut hinhauen, steht in den Sternen.
Irrtum 7: Auf alle Einsager hören
Man kennt es aus allen möglichen Bereichen: Wenn man selbst keine oder wenig Ahnung von der Materie hat, ist jeder, der sich etwas besser auskennt, ein Experte. Und jeder, der weiß, wo beim Bogen vorne und hinten ist, fühlt sich als solcher (bitte selbst mal versuchen, die Frage zu beantworten).
Man kann nicht einschätzen, ob das, was man hört, sieht oder liest, auch tatsächlich Sinn macht. Heutzutage kann jeder jeden Inhalt, auch totalen Blödsinn, auf YouTube stellen. Es gibt keine Fach-Instanz, die hier korrigierend eingreift. Viele glauben, wenn das Video so viele Zugriffe hat, dann muss es wohl stimmen.
Ähnlich verhält es auch mit Büchern. Man stelle sich einmal vor, jemand schreibt ein Fachbuch über das Skifahren und beschreibt dabei, wie er es sich am zehn Meter hohen Hügel hinter dem Haus selbst beigebracht hat. Wer würde das kaufen? Im Bogensportbereich gibt es das aber; kein Scherz!
Die Moral von der Geschicht´: Man sollte versuchen herauszufinden, ob das was man als Information bekommt, auch wirklich Sinn macht. Auch wenn es um Experten geht, die auf unterschiedlichen Wegen publizieren, sollte man einigermaßen sicher sein, ob der auch wirklich etwas versteht. Dabei ist aber nicht das Urteil von Nichtexperten oder die Anzahl der Klicks ein Kriterium. Zugegeben, das ist nicht so einfach.
Irrtum 8: Wer zielt, schießt nicht traditionell
Zugegeben, es gibt für traditionelles Bogenschießen keine wirkliche Definition. Sicher ist, dass nicht die englische Langbogentradition oder die Tradition der asiatischen Steppenbewohner im Mittelalter fortgeführt wird.
Was macht also traditionelles Bogenschießen neben dem Equipment aus? Es ist die Schusstechnik und die Zieltechnik. Wenn man Zielen vor allem als das Einstellen des Abschusswinkels definiert, so muss man feststellen, dass jeder zielen muss. Der eine zielt mit dem Gefühl, der andere mit dem Unterbewusstsein und der dritte mit der Pfeilspitze. Was viele mit Zielen verwechseln, ist Visieren. Aber auch wer visiert, schießt traditionell.
Irrtum 9: Wer traditionell schießt, muss auch so aussehenEs ist ja absolut ok, wenn auf Mittelalterfesten oder auf „Gewandeten Turnieren„, die als solche auch gekennzeichnet sind, viele Robin Hoods, Maid Mariens oder Ritter Bogen schießen.
Wenn man Bogenschießen aber als Sport oder ernsthafte Freizeitbeschäftigung begreift – und das ist bei Meisterschaften und vielen anderen Turnieren der Fall – dann vermittelt es der „nicht bogenschießenden„ Öffentlichkeit sehr oft nicht das Bild einer ernsthaften Betätigung. Man wird dann im besten Fall eher mitleidig belächelt.
Irrtum 10: Im Internet kauf ich besser und billiger
Der Klassiker 1: Ein Einsteiger ohne großes Hintergrundwissen kommt aus dem Urlaub, wo er Bogenschießen kennen gelernt hat, und durchstöbert das Internet. Ein toller Bogen sticht ins Auge; und billig ist er auch noch! Und schon ist das Gelumpe bestellt. Die große Enttäuschung folgt, wenn der erste Experte ihm das dann auch sagt.
Der Klassiker 2: Jemand geht zum Händler seines Vertrauens, fragt ihm ein Loch in den Bauch und geht dann mit den Worten: „Ich muss mir das noch einmal durch den Kopf gehen lassen„. Oft kommen diese Leute dann mit dem Gerät wieder, das sie im Internet gekauft haben und brauchen eine möglichst kompetente Beratung bzw. Einstellung für das Zeug.
Wer genau weiß, was er braucht, der kann im Internet unter Umständen gut einkaufen. Grade Anfänger oder Einsteiger sollten aber zuerst mit Fachleuten reden, bevor sie das „Schnäppchen„ machen.