Wie lange ankern?

Soll man schnell lösen, soll man länger halten? Das ist hier die Frage! Allerdings ist die Frage nicht so einfach zu beantworten. Beobachtet man Schützen oder schaut sich Videos im Internet an, sieht man alle möglichen Varianten, von extrem lange bis ganz kurz.

Wie soll man es nun machen? Um die Frage seriös zu beantworten, muss man zuerst definieren, welche Grundbedingungen gegeben sein müssen. Es geht also weniger darum eine fixe Zeit anzugeben. Es ist vielmehr eine individuelle Sache, die aber trotzdem bestimmte Dinge voraussetzt. Fangen wir aber mit den extremen Varianten an.

Wenn jemand extrem kurz oder gar nicht ankert, spricht man von Snap Shooting. Dabei stellt sich die Frage, ob das jetzt gut oder schlecht ist. Viele würden die Frage mit einem eindeutigen JA beantworten, ist doch der immer gleiche Auszug ein wichtiger Punkt, um immer die gleiche Geschwindigkeit auf den Pfeil zu bringen. Schießt man so, besteht die Gefahr, dass man einmal mehr, einmal weniger weit zieht. Die Sehne rutscht dabei nicht immer an der gleichen Position vom Finger. Außerdem wird man Schwierigkeiten haben, in eine saubere Rückenspannung zu kommen. Und trotzdem gibt es Leute, die sehr gut damit treffen. Vor allem bei kürzeren Distanzen ist die Genauigkeit des Öfteren erstaunlich gut. Viele Schützen mit Selfbows schießen so. Als Grund wird oft genannt, dass bei längerem Ankern der Bogen an Energie verliert. Auch hängt es mit der Zieltechnik zusammen. Nur wer instinktiv zielt, kann so schießen. Ein Systemschütze wird sich hier sehr schwertun.

Die andere extreme Variante ist, wenn jemand drei, vier oder mehr Sekunden ankert. Hier kann man dann annehmen, dass mit einem System gezielt wird. Dabei braucht man nämlich seine Zeit. Allerdings besteht dabei auch die Gefahr, dass man durch die Konzentration auf den Zielvorgang die Rückenspannung vergisst.

Damit ist aber die Frage, wie lange man ankern soll, noch nicht beantwortet. Eigentlich ist es die falsche Frage. Es ist weniger eine Sache des Timings. Es geht um die bereits erwähnten Bedingungen.

Immer gleicher Auszug
Eine der wichtigsten Bedingungen ist zweifelsohne der Auszug. Wenn man garantieren kann, dass dieser immer gleich ist, ist die Zeit weniger wichtig. Schwierig genug, aber essenziell. Im Gelände kommt dann noch dazu, dass man das T nicht vergessen sollte. Also Oberkörper und Schulter und damit der Pfeil sollten im rechten Winkel sein.

Rückenspannung
Will man aus der Rückenspannung schießen, braucht man Zeit. Damit kann man eigentlich das Snap Shooting ausschließen. Man braucht eben eine gewisse Zeit, um diese aufzubauen. Dazu kommt, dass das Release mit Rückenspannung besser funktioniert. Die Hand geht dann nicht zur Seite weg, sondern geht automatisch nach hinten. Damit wird auch die seitliche Abweichung verhindert.

Immer gleicher Auszug:
Hier einmal mehr und einmal weniger
Richtige Rückenspannung:
Links richtig, rechts falsch

Kontrolle über den Schuss
In diesem Zusammenhang geht es auch über die Kontrolle, die man über den Schuss hat. Wer schnell schießt und diese nicht hat, wird auch schlecht treffen. Wer ewig lang ankert, herumzittert und dann löst, wird mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben. Das Wichtigste ist, ob man für den Schuss bereit ist. Dabei geht es nicht nur um den Zielvorgang, sondern um den gesamten Schussablauf. Man muss mental bereit sein zu schießen. Man muss das Gefühl haben, dass man jetzt lösen kann. Wer den gesamten Prozess sehr schnell durchläuft, ist unter Umständen noch nicht für den Schuss bereit. Wer sich mehr Zeit lässt, kann das vermeiden und hat damit mehr Kontrolle.

Sollte man das Gefühl haben, dass es noch nicht passt, muss man absetzen und erneut beginnen. Trotzdem zu schießen bedeutet oft, dass man nicht trifft. Der Ärger ist für die nächsten Schüsse auch nicht förderlich.

Zu schnelles Lösen
Viele haben das Problem, dass sie zu schnell schießen. Das kann man auch Targetpanic nennen. Und es gibt mehrere Methoden, das abzustellen. Nun gibt es Coaches, die empfehlen, extrem lange zu halten und dabei bis drei zu zählen. Hier ist das Ziel, den Reiz, der das frühe Lösen auslöst, zu unterdrücken. Das geht natürlich nicht mit wenigen Durchläufen. Hier müsste man konsequent sein und das über einen längeren Zeitraum durchhalten.

Eine andere Methode wäre, aufzuziehen, einen Achter mit dem Pfeil am Ziel zu machen, wieder abzusetzen und erst beim zweiten Mal zu schießen. Alle Varianten zielen aber darauf ab, den auslösenden Reiz, sei er haptisch oder optisch, zu unterdrücken.

Gleicher Rhythmus
Ziel ist es also, einen individuellen Rhythmus einzuhalten. Die Zeit vom Beginn des Vollauszugs bis zum Lösen sollte immer gleich sein. Und in dieser Zeit müssen alle Elemente des Ablaufs enthalten sein. Man geht in die Vorspannung, schaut auf das Ziel, beginnt den Vollauszug, ankert, geht in die Rückenspannung und löst. Begleitend dazu muss man auch noch zielen; mit welcher Methode auch immer. Ein instinktiver Schütze wird hier schneller als ein Systemschütze sein, der seine Pfeilspitze auch noch auf einen bestimmten Punkt bringen muss.

Wer alle diese Elemente im Schuss unterbringen muss, wird zwischen 1,5 und 2,5 Sekunden brauchen. Das ist jetzt keine fixe Vorgabe, eher eine Faustregel, die wie gesagt vom individuellen Stil abhängt.

Um diesen Rhythmus zu üben, kann man ein technisches Gerät verwenden. Der Soundbrenner ist ein Taktgeber für Schlagzeuger, den man individuell einstellen kann. Damit kann man sowohl Targetpanic loswerden als auch einen individuellen Rhythmus trainieren.

Immer gleicher Rhythmus:
Jeder Schuss sollte immer gleich lang dauern. Mit dem Soundbrenner kann man den Schießrhythmus trainieren.

Resümee
Wer konstant schießen möchte, sollte sich einen individuellen Ablauf angewöhnen. Von der Vorspannung bis zum Lösen sollte die Zeit immer gleich sein.

Dazu kann man die Zeiten messen, die man für einen Schuss, bei dem man sich sehr wohl fühlt, braucht. Treffen sollte man dazu natürlich auch noch. Diese Übung muss auf verschiedene Entfernungen gemacht werden. Es nützt nämlich gar nichts, wenn man sich auf kurze Entfernungen wohl fühlt, bei langen Distanzen aber keinen Plan hat und schon unsicher an den Abschusspflock geht.

Also: Öfter schießen, die Zeit stoppen und nur die Schüsse nehmen, bei denen man sich gut gefühlt hat. Hat man seine Zeit gefunden, sollte man diesen Rhythmus dann auch trainieren.

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