Bogenkinos

Unterschiedliche Systeme

Der traditionelle Bogensport wird immer technischer. Erfinder und Tüftler haben dabei immer wieder die tollsten Ideen. Und Bogenkinos sind ein Bereich, wo sich einiges tut. Der technische Aufwand ist dabei ganz unterschiedlich. Von billig bis sehr teuer reicht die Bandbreite.

Bogenvereine und gewerbliche Anbieter von Bogensportanlagen suchen immer nach Neuerungen. Im traditionellen Bogensport ist das gar nicht so einfach. Innovationen sind im Gegensatz zu anderen Bogensportbereichen relativ rar. Betreiber von Bogensporteinrichtungen haben hauptsächlich auch ein wirtschaftliches Interesse. Sie wollen eine möglichst große Zielgruppe ansprechen.

Das Schießen auf 3-D-Tiere ist für viele das Größte. Und eine Steigerung dazu ist sicherlich das Schießen auf bewegliche, echt aussehende Tiere. Mit einem Bogenkino kann man genau das, was nicht so alltäglich ist, bieten. Das Problem, das sich dabei oft ergibt, sind die Investitionen, die man tätigen muss, um auch hier mitmischen zu können. Vereine dagegen haben oft weniger ein wirtschaftliches Interesse, sondern wollen ihren Mitgliedern Abwechslung bieten. Auch hier steht vor allem der Preis im Vordergrund.

Geschossen wird bei einem Schießkino natürlich nicht auf lebende Tiere und nicht mit Jagdspitzen. Einige Systeme verwenden runde Metallspitzen, ähnlich einem Blunt. Damit wird auf eine Videoleinwand geschossen, die mit Sensoren ausgestattet ist. Trifft nun ein Pfeil, reagiert das System. Bei anderen Systemen schießt man mit Feldspitzen und der Pfeil bleibt in der Wand stecken. Das System reagiert dann auf optische oder akustische Signale.

Alle möglichen Szenen und Standbilder werden von den Herstellern mitgeliefert und werden im Laufe der Zeit ergänzt. Damit können unterschiedliche Jagdszenen simuliert werden. Die reine Schussentfernung kann dabei bis zu 40 Meter betragen. Rechnet man die Entfernung der Kamera bei der Aufnahme mit, kann der optische Eindruck entstehen, dass man auf viel weitere Entfernungen schießt. Damit könnte auch ein WA-Schütze weite Schüsse simulieren.

Begonnen hat alles in den USA; wie könnte es auch anders sein. Die Firma TechnoHunt entwickelte bereits in den frühen 2000er-Jahren ein System, das auch mobil war. Man konnte das System auf einem Truck installieren und dann überall relativ schnell aufbauen. Rund 10 Jahre später versuchten sich auch die ersten im deutschsprachigen Raum.

Im Wesentlichen gibt es zwei Systeme. Die erste Gruppe arbeitet mit Sensoren, die den Einschlag des Pfeils in der Scheibe registrieren. Dann kann die Szene angehalten werden, um zu sehen, wo man genau getroffen hat. Zusätzlich wird genau zu diesem Zeitpunkt ein Screenshot gemacht. Im Anschluss kann man sich dann diese der Reihe nach als Standbilder anzeigen lassen und sieht, wo man getroffen hat.

Die zweite Gruppe von Systemen arbeitet mit fix festgelegten Zeitpunkten, wo geschossen werden muss. Es erscheint z.B. eine Trefferzone am Tier und genau zu diesem Zeitpunkt muss man schießen. Auch hier kann man die Szene automatisch, aber ohne Sensoren, stoppen lassen. Und im Nachgang werden die Standbilder, die bereits im System enthalten sind, angezeigt.

TechnoHunt

TechnoHunt TH 400:
TechnoHunt TH 400: Sensoren links und rechts in der Schussbahn registrieren Pfeilflug und die Trefferposition des Pfeils. Es können bis zu sechs Schützen gleichzeitig schießen. Außerdem kann die Entfernung bis zu 40 Meter erweitert werden.

In den USA ist die Bogenjagd der treibende Faktor im Bogensport. Deshalb ist auch dort alles auf die Jagd ausgelegt. Geschossen wird bei diesem System mit dem eigenen Bogen. Die Pfeile müssen allerdings mit einer speziellen stumpfen Metallspitze ausgestattet sein. Damit bleibt der Pfeil nicht stecken, sondern fällt nach dem Auftreffen einfach von der Leinwand auf den Boden. Zu den normalen Situationen kann man auch Wind, Blätter, Zweige oder auch Sträucher in der Schussbahn anzeigen lassen. Sensoren auf den Flugbahnen nehmen den Pfeil wahr und der Computer berechnet die Ablenkung mit ein.

Bei Tieren sind die Trefferzonen nicht festgelegt. Dreht sich das Tier in der Szene, ändert sich auch die Killzone dementsprechend. Damit hat der Jäger immer eine realistische Situation vor sich.

Man kann aus rund 700 unterschiedlichen Szenen auswählen und auch zwischen unterschiedlichen Zählweisen wählen. Gesteuert wird das System mit einem Computer und einem Steuergerät für die Anlage. Es gibt derzeit nur mehr das Modell 400. Die früheren Modelle 100 und 300 lassen sich aber upgraden.

Der Preis hat es allerdings in sich. Mit US$ 34.995,- ist man für das Modell 400 dabei.

Bowsim 4D

BowSim 4D:
BowSim 4D: Sensoren in der Wand registrieren den Treffer. Bei der Add-on-Version sogar die Trefferposition des Pfeils. Es stehen rund 800 Jagd- und Fun-Szenen zur Auswahl.

Das System ist seit 2015 auf dem Markt. Im Gegensatz zu TechnoHunt kann man mit seinen eigenen Pfeilen schießen. Man benötigt aber eine spezielle Schusswand. Dazu gibt es ein Stecksystem, mit dem man die Größe von bis zu 12 Meter Breite einrichten kann; unter Umständen sogar größer.

Durch Sensoren, die das Unternehmen patentiert hat, werden die Treffer in der Wand registriert. Je nach Wandgröße werden diese auf der Rückseite nur in die Wand gesteckt. Für das Schießen selbst bietet das System verschiedenste Einstellmöglichkeiten.

Bei einer Jagdszene funktioniert das folgendermaßen: Die Trefferzone am Tier ist vorgegeben. Sie kann angezeigt werden oder auch nicht. Ein echter Jäger sieht ja auch keine eingezeichnete Killzone. Schießt man nun, kann man einstellungsmäßig das Bild nach einem Treffer anhalten oder es aber auch weiterlaufen lassen. Lässt man es anhalten, sieht man sofort den Treffer.

Die Treffer können im Anschluss angezeigt werden. Bei jedem Einschlag macht das System einen Screenshot. Diese werden dann der Reihe nach gezeigt und man sieht die jeweiligen Treffer.

Solche Szenen kann man auch selbst zusammenstellen und die Trefferzone festlegen. Neben Jagdszenen gibt es auch eine Reihe von Fun-Szenen. Dabei kann man zwischen wechselnden und beweglichen wählen. Das Prinzip ist das Gleiche wie bei den oben beschriebenen Jagdszenen.

Man hat auch die Möglichkeit Upgrades zur Add-on Variante zu kaufen. Dieses System erkennt nicht nur den Pfeileinschlag, sondern auch den Ort, wo der Pfeil getroffen hat. Damit kann man interaktive Spielchen machen. So zerplatzt tatsächlich der Luftballon, den man getroffen hat. Außerdem ist auch ein automatisches Scoren damit möglich.

Zudem gibt es auch noch eine Portable-Version. Sie ist in einer Kiste verpackt und funktioniert gleich wie die Standard-Version.

Bogen-Kino.de

Bogen-Kino.de:
Bogen-Kino.de: Am Ziel wird kurz die Trefferfläche angezeigt. Genau zu diesem Zeitpunkt muss man schießen. Im Anschluss kann man sich die einzelnen Standbilder und die Treffer anzeigen lassen.

Dieses System wird in zwei Varianten angeboten. Einmal mit einem Dämpfer und einmal ohne. Erstere trägt die Bezeichnung All-in-One. Die Dämpfer bestehen aus 6 Elementen und haben die Abmessung 2 x 3 Meter.

Das Bogen-Kino kommt ohne Sensoren aus. Am Beispiel einer Jagdszene sei das kurz erklärt. Aus den Jagdszenen kann man unterschiedliche Schwierigkeitsgrade wählen. Es gibt große oder kleine Ziele oder auch längere oder kürzere Sequenzen. Pro Durchgang werden 6 Szenen dargestellt. Am Ziel wird die Trefferzone kurz eingeblendet. Genau zu diesem Zeitpunkt muss geschossen werden. Nach drei Sekunden stoppt das Bild kurz und man sieht seinen Treffer.

Nach Ablauf dieser 6 Sequenzen erfolgt die Auswertung, indem die Standbilder zum Schusszeitpunkt der Reihe nach angezeigt werden. Dabei sieht man die Trefferzone und den jeweiligen Pfeil.

Leider kann man keine eigenen Szenen mit der vorgegebenen Trefferzone verwenden.

Im Lieferumfang sind Hard- und Software sowie 5 Szenen enthalten. Der Beamer mit 3.400 Lumen kann auch im Freien eingesetzt werden.

ArcheryTime

ArcheryTime – Hunter und Fun and Sport:
ArcheryTime – Hunter und Fun and Sport: Die Ziele reagieren auf jeden einzelnen Treffer, auch wenn mehrere Schützen gleichzeitig schießen. Der Treffer wird genau angezeigt und nur das getroffene Tier reagiert und fällt um.

Auf einem ganz anderen Level bewegt sich das System von ArcheryTime. Hier gibt es keine Szenen, die vorher gefilmt werden. Vielmehr werden interaktive Animationen, ähnlich wie bei Videospielen verwendet. Der Computer berechnet jede Situation neu. Somit gibt es eine Vielzahl von Schuss-Situationen. Auch die Kameraposition kann sich beliebig ändern. So kann man aus allen Richtungen und auch von oben auf die Objekte schießen. Und das System lernt, ähnlich wie bei künstlicher Intelligenz, mit.

Die Treffer werden mit einer Multisensorik in der Wand festgestellt. Dabei kann genau die Position eines jeden Pfeils eruiert werden, auch wenn mehrere Schützen gleichzeitig schießen.

Als Dämpfer werden weiße Platten verwendet, die eine bessere Darstellung ermöglichen. Diese sind ebenfalls eine eigene Entwicklung.

Kaufen kann man das System allerdings nicht. ArcheryTime bietet es nur als Franchise-Variante an. Das bedeutet, dass es nur für gewerbliche Nutzung gedacht und interessant ist. Derzeit gibt es 14 Standorte in Deutschland. Angeboten werden 3 Modi: Hunter, Fun & Sport und Trainer.

Im Modus Hunter werden, wie bei Videospielen, realistische Szenen dargestellt. Allerdings gibt es hier keine vorgefertigten Situationen. Vielmehr können die Landschaft und die Tiere aus unterschiedlichen Perspektiven gesehen werden. Es besteht beispielsweise auch die Möglichkeit, einen kompletten 3-D-Parcours darzustellen und durch diesen zu wandern. Durch die Sensorik, die den genauen Einschlagpunkt des Pfeils erkennt, fällt auch nur das Tier, welches man getroffen hat, um.

Im Fund and Sport-Modus kann man, ähnlich wie bei Videospielen, auf interaktive Ziele schießen. Auch hier berechnet der Computer alles neu. Trifft man z.B. ein Objekt nur am Rand, wird auch das vom System registriert es und es reagiert dementsprechend. Und natürlich gibt es auch bewegliche Ziele. Fliegende Ringe bleiben tatsächlich, wenn man sie trifft, an der Wand am Pfeil hängen, und Luftballons platzen, sobald ein Pfeil dort einschlägt. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Auch kann man unterschiedliche Levels einstellen, die zu meistern sind.

Der Trainer-Modus orientiert sich an Analyse-Programmen, wie Kinovea oder Coach´s Eye. Hier wird mit Hilfe einer Kamera der Bogenschütze in das System eingebunden. Entsprechend dieser Aufnahmen werden dann die Ziele auf der Wand ausgewählt.

Selbstverständlich sind auch verschiedene Wettkampfmodi möglich. Als Schütze meldet man sich an und bekommt einen eigenen Account. Damit kann man dann online ein Duell mit einem Gegner an einem anderen Standort schießen. Alle jemals geschossenen Ergebnisse werden sofort an der Wand angezeigt und vom System gespeichert. Man könnte hier auch seine leistungsmäßige Entwicklung über einen bestimmten Zeitraum sehen.

Beier Bogensport

Beier Bogensport:
Beier Bogensport: Kurz vor dem Schuss leuchtet ein Zielpunkt auf. Genau zu diesem Zeitpunkt muss man schießen. Nach 6 Szenen kann man sich die einzelnen Standbilder und die Treffer anzeigen lassen. Es gibt das Ganze auch als Heim-Bogenkino. Das Heim-Bogenkino

Ein System, das möglichst kostengünstig ist, war das Ansinnen von Beier Bogensport. Die angebotenen Varianten unterscheiden sich nur in der Größe des Dämpfers, auf den geschossen wird. Dazu gibt es ein eigenen Stecksystem aus Ethafoam, welches in drei Varianten angeboten wird: 2,4 x 3 / 3,6 x 2,4 und 1,8 x 4,2 Meter. Um die dargestellten Szenen besser sehen zu können, wird ein spezielles Papier angeboten.

Im Lieferumfang der „Bogenkino Grundausstattung„ ist ein Beamer, das Dämpfer-Stecksystem sowie die Hard- und Software enthalten.

Zur Treffererkennung werden keine Sensoren verwendet. Die mitgelieferten Videos beinhalten jeweils 6 Schuss-Szenen. Bei jeder Szene leuchtet ein Spot auf, auf den man genau zu diesem Zeitpunkt schießen muss. Sind alle Szenen durch, werden die einzelnen Schusszeitpunkte wieder angesprungen und man kann die Treffer dann per Hand zählen. Eine automatische Treffererkennung gibt es bei diesem System nicht. Auch können Szenen selbst erstellt und in das System eingebunden werden.

In der Corona-Zeit hat man sich etwas Spezielles einfallen lassen. Für den spielerischen Gebrauch zuhause gibt es das sogenannte Heimkino. Diese Variante ist mit einer kleinen Scheibe von 60 x 1,2 Meter ausgestattet. Der Beamer ist bewusst nicht extrem leistungsstark. Zusätzlich gibt es auch noch ein Bogenset mit einem 10-Pfund-Bogen.

HSV Lienz

4D Targets:
4D Targets: Geliefert wird nur die Software. Und was braucht man sonst noch dazu? Einen Beamer, einen Laptop, ein Funkmikrofon und eine Videoleinwand. Das Programm kostet ­nur € 70,-.

Mit der Idee, selbst ein Schießkino zu bauen, beschäftigte sich Kurt Wallensteiner aus Osttirol schon seit längerer Zeit. Er hatte die Idee, über den Schall beim Pfeileinschlag auf der Videoleinwand das Ganze zu steuern. Die Lösung sollte aber auch leistbar sein. Die Grundidee dahinter ist, dass er nur die Software liefert, die Hardware muss man selbst haben.

Die Ausrüstung, die man dazu braucht, ist denkbar einfach. Das meiste dürften viele schon zu Hause haben. Notwendig sind ein Beamer, ein Laptop, ein Mikrofon sowie eine beschussfähige Wand. Aus platztechnischen Gründen sollte man sich für ein Funkmikro entscheiden, denn diese Variante vermeidet einen Kabelsalat bei der Leinwand. Außerdem kann man bei diesen Mikrofonen noch zusätzlich den Schallpegel einstellen und es ist zudem preiswert. Die Größe des Bildes hängt natürlich mit der Qualität des Beamer zusammen. Je besser der Beamer, desto größer und heller das Bild.

Die Videowand sollte so sein, dass der Einschlag des Pfeils deutlich zu hören ist. Um einen Trommeleffekt zu erzeugen, kann man zwei Platten hintereinander aufstellen und zwischen den Platten einen Abstand von einigen Zentimetern lassen. Alternativ kann man das Mikro auch über die Scheibe hängen.

Die Funktionsweise ist ähnlich wie bei vorher beschriebenen Systemen. Es werden Jagd- oder Fun-Szenen gezeigt. Die Software registriert jeden Einschlag. Die Szene läuft aber weiter. Ist das Video zu Ende, können die Treffer gezählt werden. Dazu gibt es keine Screenshots. Es werden vielmehr im Video die einzelnen Zeitpunkte der jeweiligen Treffer durch das Programm angesprungen. Nun kann jeder seinen Treffer an der Scheibe einzeln werten.

Das Ganze wird auf einem USB-Stick geliefert. Alternativ kann es auch über DropBox bezogen werden. Darauf befinden sich ein VLC-Player, um die Videos abzuspielen, der „Schiessstand-Installer„, der die Software am Rechner installiert und fünf Videos. Es können prinzipiell alle Videos – ob selbst gemacht oder aus dem Internet downgeloadet – verwendet werden.

Die Kosten halten sich absolut in Grenzen. Man ist mit 70 Euro dabei. Das Ganze wird als Projekt „Bogenkino„ vom Bogenclub „HSV Lienz„ in Osttirol geführt. Die Einnahmen kommen dem Club zugute.

Bewertung des Beitrags

4 ... 96