Wie tune ich meinen Bogen?

Um zu treffen, braucht man zuerst eine gute Schusstechnik und ein gutes Setup. Ein Bogen muss abgestimmt sein. Bogen, Pfeil und Schütze müssen zueinander passen. Diese Abstimmung nennt man Tuning. Ein traditioneller Bogen, ob Langbogen oder Recurve, besteht nur aus dem Mittelstück, den Wurfarmen und der Sehne. Was kann man hier Großartiges machen?

Ein traditioneller Bogen, ob Langbogen oder traditioneller Recurve, besteht nur aus dem Mittelstück, den Wurfarmen und der Sehne. Was kann man hier Großartiges machen?Einen traditionellen Bogen zu tunen klingt erst einmal komisch. Zumindest denken das viele Einsteiger, die mit einem Recurve oder Langbögen schießen. Schließlich scheint es nicht so, als gäbe es viel anzupassen. Eine richtige Abstimmung ist unerlässlich, wenn man möchte, dass der Bogen sein maximales Potenzial ausschöpft. Das bedeutet schneller, leiser und geschmeidiger zu schießen, als wenn er nicht richtig eingestellt ist.

Hersteller versuchen natürlich den Bogen schon abzustimmen, dass er grob für die meisten Schützen passt. Am besten gelingt das sicher, wenn der Bogen eine Spezialanfertigung ist, wenn man sich also einen Bogen bauen lässt. Schon weniger genau sind Industriebogen, die in großer Anzahl hergestellt werden, auf den jeweiligen Schützen abgestimmt. Und wer sich einen gebrauchten Bogen zulegt, wird nicht drum herum kommen, den Bogen auf sich selbst abzustimmen. Eine Feinabstimmung kann und sollte bei allen Bögen, egal ob Langbogen, einteiliger Recurve, Holz-Take Down oder moderner Take Down, gemacht werden.

Tuning ist kein Selbstzweck. Ziel muss es sein, Bögen so fehlerverzeihend und gleichzeitig so schnell wie möglich zu machen. Dabei muss man, sofern man Turnierschütze ist, im Rahmen des Regelwerks bleiben. Zwei Dinge sind es, bei denen man ansetzen kann: Bei der Geschwindigkeit und bei der Genauigkeit. Vorauszuschicken ist auch, dass Tuning eigentlich nur bei Bögen mit einer einigermaßen guten Qualität Sinn macht. Bei „Gelumpe„ wird auch das beste Tuning nicht helfen.

Langbogen und traditioneller Recurve

Die optimale Sehne
Die Sehne hat großen Einfluss auf das Schussverhalten. Hier sollte man eine Fast Flight-Sehne verwenden. Eine Fast Flight-Sehne kann z.B. bei einem 60-Pfund-Bogen bis zu fünf Pfund mehr an Zuggewicht entsprechen. Daher sollte man die passende Strangzahl wählen. Dicke Sehnen mindern nämlich die Leistungsfähigkeit des Bogens stark.

Auch die Mittelwicklung soll so kurz wie möglich sein. Um die Auflösung zu verhindern, teilt man sie am besten in zwei Teile. Der untere Bereich, wo die Sehne am Armschutz streift, sollte mit einem stabilen Garn gefertigt sein. Im oberen Teil muss nur die Nocke mit einem deutlichen Klick einrasten. Ist der untere Teil abgescheuert, braucht man nur diesen Teil zu erneuern.

Zweiteilige, kurze Mittelwicklung. Der untere Teil kann leicht gewechselt werden. Empfohlene Strangzahlen für Langbogen und Recurve

Die optimale Standhöhe
Gemessen wird die Standhöhe vom tiefsten Punkt im Griff bis zur Sehne. Üblicherweise gibt jeder Hersteller an, in welchem Bereich sich die Standhöhe des Bogens bewegen sollte. Der Bereich, den man wählen kann, ist aber meistens größer als der vom Hersteller angegebene. Wichtig ist nur, dass der Pfeil noch sauber fliegt. Aber aufgepasst: Es ändert sich dabei nämlich der dynamische Spine des Pfeils.

Die Standhöhe auf Maximum zu stellen kostet zwar Beschleunigungsweg und damit Geschwindigkeit, bringt im Gegenzug aber Genauigkeit.

Auch hängt es davon ab, was man vorhat. Will man nur kurze Entfernungen, beispielsweise WA-Turniere bis 30 Meter schießen, könnte man eine höhere Standhöhe einstellen. Will man hingegen auf weitere Entfernungen eine möglichst flache Flugbahn haben, wird man eher eine niedrige Standhöhe wählen.

Standhöhe:
Gemessen wird sie vom tiefsten Punkt im Griff bis zur Sehne (roter Pfeil).
Der Bereich ist allerdings begrenzt (blauer Pfeil).
Durch unterschiedliche Einstellungen kann der dynamische Spine be­einflusst werden.

Nockpunkt
Es gibt in allen möglichen Publikationen Richtwerte für die richtige Einstellung des Nockpunktes. Dabei liegt wirklich die Betonung auf Richtwert. Er muss also nicht unbedingt stimmen. Man kann ihn in einem bestimmten Bereich verschieben. Ist der Nockpunkt richtig eingestellt, reitet der Pfeil nicht, liegt man außerhalb dieses Toleranzbereiches, wird man das sofort am Pfeilflug sehen.

Der Nockpunkt kann auch nach dem, was man vorhat, eingestellt werden. Wer zum Beispiel auf weite Entfernungen schießen muss, wie beispielsweise bei IFAA-Turnieren, wird unter Umständen einen tieferen Nockpunkt wählen. Wer auf kurze Distanzen schießt, beispielsweise in der Halle oder bei WA-Turnieren, könnte auch einen höheren Nockpunkt wählen.

Gebundene Nockpunkte schauen zwar sehr „traditionell„ aus, sind aber unpraktisch. Ein Nockpunkt aus Metall ist wesentlich einfacher zu befestigen bzw. zu verschieben. Und um Gewicht zu sparen, braucht man nur einen Nockpunktring.

Nockpunkt:
Der Nockpunkt kann in einem bestimmten Bereich (gelb) so lange verschoben werden, so lange der Pfeil nicht reitet.

Pfeilauflage
Mit dem Langbogen wird vom Shelf, also direkt aus dem Schussfenster ohne Pfeilauflage, geschossen. Der Pfeil sollte im Bogenfenster möglichst wenig Auflagefläche haben, weich liegen und möglichst wenig Reibung erzeugen. Dazu muss das Bogenfenster rund geschnitten sein. Als Polsterung eignet sich sehr gut das Gegenstück eines Klettverschlusses. Mit so einer Pfeilauflage verhindert man, dass der Pfeil hart am Bogen anschlägt. Er wird vielmehr weich abgefedert. Leder und Fell sind härter und in dieser Beziehung nicht so optimal. Am schlechtesten ist das blanke Holz. Außer der Pfeilauflage sollte der Pfeil nichts anderes berühren. Man sollte dabei immer achten, dass die Auflage in Ordnung ist. Es sollte keine Abriebspuren geben, die beispielsweise die Dämpfung verringern oder die Auflagefläche vergrößern.

Ein Recurvebogen hat üblicherweise ein sehr breites Schussfenster. Schießt man vom Shelf, kann der Pfeil eine zu große Auflagefläche haben. Das sollte man auf alle Fälle ausgleichen. Man unterlegt dabei die Pfeilauflage. Damit erreicht man zum einen die Erhöhung um ca. 5 bis 10 mm und die Auflage wird dadurch fehlerverzeihender.

Bei Recurves, die mit einer Pfeilauflage verwenden. Diese gibt es von der einfachen bis zur aufwendigen und damit auch teuren Variante.

Pfeilauflage beim Langbogen:
Die Auflage soll punktuell und reibungsfrei sein. Abriebstellen sind Fehlerquellen (linkes Bild).

Ideal ist das Gegenstück eines Klettverschlusses (rechtes Bild).
Links - Pfeilauflage am Shelf erhöhen:
Durch Unterlegen kann das Leder der Pfeilauflage erhöht werden.

Rechts - Pfeilauflagen:
Es gibt unterschiedliche Pfeilauflagen, die man einfach an das Bogenfenster anklebt.

Hightech-Jagdrecurves und Hightech-Recurves

Optimierte Sehne
Bei solchen Bögen kann eigentlich jedes Sehnenmaterial verwendet werden. Auch Materialien, die sich noch weniger dehnen als Fast Flight, können genommen werden. Ist das Zuggewicht relativ leicht, kann man auch die Strangzahl reduzieren. Um noch mehr Geschwindigkeit zu erreichen, kann man eventuell auf Geräuschdämpfer verzichten.

Optimierter Pfeil
Diese Bögen sind sehr robust. Deshalb kann das Pfeilgewicht auch sehr gering sein, ohne dass der Bogen darunter leidet. Hier muss also der beste Kompromiss zwischen Geschwindigkeit und Genauigkeit gefunden werden. Man sollte aber immer darauf achten, dass der Bogen noch fehlerverzeihend ist.

Wer einen solchen Bogen schießt, legt Wert auf Präzision. Deshalb sollte auch am Pfeil nicht gespart werden. Um die optimale Leistung herauszuholen, ist ein hochwertiger Pfeil zu empfehlen.

Wer zu einem solchen Pfeil greift, muss aber ein bestimmtes Können aufweisen. Die Pfeile sind auch wegen ihrer präzisen Bauweise sehr teuer. Wer also noch etwas öfter im Gelände daneben schießt, sollte hier etwas Zurückhaltung üben. Sonst wird es so teuer wie Golf.

Stabilisator und Dämpfer
Schießt man einen hochtechnischen Bogen, ist ein Stabi bis zu 12 Zoll ratsam. Dabei spielt das Gewicht eine Rolle. Je schwerer er ist, desto ruhiger und schneller schießt der Bogen.

Am Fade Out kann zusätzlich auf der Innenseite noch ein Klebedämpfer angebracht werden. Damit kann man die Vibrationen noch etwas reduzieren.

Optimale Pfeilauflage
Als beste Pfeilauflage ist sicher eine Kombination aus Button und Pfeilauflage zu sehen. Der Button lässt sich verstellen und hat damit zwei Funktionen. Zum ersten kann man damit die Richtung beeinflussen. Zum anderen kann er Abweichungen von nicht optimal gespinten Pfeilen ausgleichen, indem er den vorderen und hinteren Schwingungspunkt des Pfeils exakt in einer Linie ausrichten kann.

12-Zoll-Stabi
Sorgt für Schussruhe und Stabilität.
Pfeilauflage mit Button
Damit kann der Spine des Pfeils beeinflusst und damit exakt abgestimmt werden.
Wurfarmdämpfer
Redutzieren die Schwingungen der Wurfarme.

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