Ultimativer Material-Check
Wem sein Equipment wichtig ist, der sollte auch wissen, wie es aussieht bzw. wie alles eingestellt sein soll. Hier wird in der Folge ein Material-Check vorgestellt, mit dem man alles auf einem Blatt Papier festhalten kann.
Da reißt die Sehne oder man muss sie wegen Beschädigungen wechseln. Auch soll schon mal eine Sehne verloren gegangen sein. Nun ist guter Rat teuer. Wo muss der Nockpunkt angebracht werden, wie hoch ist die Standhöhe oder wo sind die Geräuschdämpfer angebracht? Da ist es gut, wenn man sich bereits vorher alles notiert hat.
Der Check beinhaltet 18 Punkte und das Formular kann von unserer Website downgeloadet werden.
(1) Type
Ohne Bild: Darunter ist zuerst einmal zu verstehen, welchen Bogen man hat. Selfbow, Langbogen, Hybridbogen, traditioneller Recurve oder High Tech-Recurve sind hier die gängigsten Typen. Bei einem Langbogen wäre auch noch interessant, wie stark der Reflex-Deflex ist.
(2) Länge
Nach dem AMO-Standard (Archery Merchants and Manufacturers Organization) wird die Länge des Bogens ermittelt, indem man im ungespannten Zustand auf der Seite, die dem Schützen zugewandt ist, von der Sehnenkerbe des oberen Wurfarms bis zur Kerbe des unteren Wurfarms misst, und nicht direkt von Spitze zu Spitze. Die Linie, entlang der gemessen wird, geht dabei nicht an der Biegung des Mittelteils entlang.
Einige Bogenbauer messen die Länge jedoch anders, nämlich ein durchgehendes Laminat unabhängig davon, ob es gebogen ist oder nicht. Dadurch können Bögen mit der gleichen Längenangabe unter Umständen unterschiedlich lang sein.
(3) Persönlicher Auszug
Die Auszugslänge eines Bogens wird im Vollauszug von der Kerbe in der Pfeilnocke bis zum vorderen Ende des Bogens (eigentlich ist das der Bogenrücken) gemessen. Im Gegensatz dazu verwendet die AMO eine andere Methode, bei der die Distanz von der Kerbe der Pfeilnocke bis zum tiefsten Punkt im Griff (Pivot Point) gemessen wird. Anschließend wird diesem Wert noch einmal 1,75 Zoll (ca. 4,5 Zentimeter) hinzugerechnet.
Am besten verwendet man die Variante mit einem Messpfeil. Dazu zieht man am besten mit geschlossenen Augen auf und ein Kollege liest am vorderen Ende den Auszug ab.
(4) Persönliches Zuggewicht
Die Bogenstärke wird in englischen Pfund (lbs) gemessen (1 Pfund = 0,45 kg). Bei fabrikgefertigten Bögen misst man sie in der Regel bei 28 Zoll (71 cm) Auszug. Wenn man einen solchen Bogen kauft, hängt die tatsächliche Stärke aber davon ab, wie weit man beim Schuss tatsächlich zieht. Je weniger man auszieht, desto weniger Pfund hat der Bogen und somit auch weniger Leistung und Geschwindigkeit. Je mehr man auszieht, desto stärker wird der Bogen und die Geschwindigkeit des Pfeils erhöht sich.
Bei Einzelanfertigungen kann die Bogenstärke exakt auf den individuellen Auszug des Schützen abgestimmt werden. Auf dem Bogen finden sich dann möglicherweise kryptische Zeichen wie z.B. 45# @27„, was bedeutet, dass der Bogen bei einem Auszug von 27 Zoll 45 Pfund hat.
Das Zuggewicht kann man am besten mit einer digitalen Bogenwage messen. Wichtig ist, dass die Waage robust ist und eine Pfundzahl bis zu 100 Pfund aushält, sowie die Werte in Pfund anzeigen kann.
(5) Sehne
Ohne Bild: Sehnen bestehen aus robusten, strapazierfähigen Materialien wie Dacron, Fast Flight oder Ähnlichem. Die meisten Bögen, ab einer gewissen Preiskategorie, sind Fast Flight-tauglich. Je nach Zugstärke werden zwischen 8 und 16 Strang verwendet.
(6) Geschwindigkeit
Sie wird in Fuß pro Sekunde (FPS) gemessen. Ein FPS entspricht ungefähr 1,1 km/h. Es gibt zwei verschiedene Standards für die Messung; eine von der AMO und eine von der IBO. Das ist jedoch hauptsächlich für Compoundbögen von Bedeutung. Für traditionelle Bögen haben diese Messungen eine eher geringere Aussagekraft.
Will man die Geschwindigkeit seines eigenen Bogens messen, muss man durch einen Chronographen schießen; und zwar auf unterschiedliche Entfernungen. Dazu ist es wichtig, dass man sich auf die Schusstechnik – und hier vor allem auf den Auszug – und weniger darauf konzentriert, dass der Bogen möglichst schnell ist. Ein Durchschnittswert aller Messungen ergibt dann eine realistische Geschwindigkeit.
(7) Mindestgewicht des Pfeils
Ohne Bild: Das Pfeilgewicht für einen Bogen wird in Grain pro Pfund (GPP) angegeben. Es berechnet sich aus dem Pfeilgewicht in Grain geteilt durch das Zuggewicht des Bogens in Pfund. Meist bezieht sich die angegebene Zugstärke auf eine Auszugslänge von 28 Zoll. Wenn der Bogen weiter oder weniger weit gezogen wird, muss das persönliche Zuggewicht verwendet werden (vgl. Punkt 4).
Beispiel
Formel: Pfeilgewicht (PG)
Zuggewicht (ZG)
Pfeilgewicht = 25 g (386 gr)
Pers. Zuggewicht = 45#
GPP: 386/45 = 8,6
Je niedriger dieser Wert ist, desto leichter und schneller ist der Pfeil. Aber ein zu geringes Pfeilgewicht kann den Bogen beschädigen. Bei Langbögen ist das Pfeilgewicht höher, bei Recurve können dagegen sehr leichte Pfeile verwendet werden. Üblicherweise geben die Hersteller das niedrigste Pfeilgewicht an.
(8) Standhöhe
Die Standhöhe wird normalerweise vom tiefsten Punkt am Griff bis zur Sehne gemessen. Eine große Standhöhe macht den Bogen langsamer, da der Beschleunigungsweg der Sehne kürzer ist. Eine kleine Standhöhe macht dagegen den Bogen schneller, da der Beschleunigungsweg länger ist. Eine große Standhöhe macht auch den Bogen ruhiger und fehlerverzeihender, während eine kleine den Bogen nervöser macht.
Die Länge der Sehne und damit die Standhöhe kann durch Ein- bzw. Ausdrehen eingestellt werden. Die Standhöhe muss aber innerhalb eines bestimmten Bereichs bleiben (im Bild gelb dargestellt), um eine optimale Leistung zu garantieren. Die empfohlene Standhöhe wird vom Hersteller angegeben.
Aber aufgepasst: Durch unterschiedliche Einstellungen der Standhöhe kann auch der dynamische Spine des Pfeils beeinflusst werden. Man erkennt das am Pfeilflug.
(9) Position des Nockpunkts
Ausgehend von der Linie Pfeilauflage-Sehne, die im rechten Winkel zur Sehne steht, geht man einen bestimmten Wert nach oben. Die Einstellung des Nockpunkts erfolgt in der Regel nach Richtwerten, aber diese müssen nicht zwingend korrekt sein. Der Nockpunkt kann innerhalb eines bestimmten Bereiches verschoben werden. Ist er richtig eingestellt, vermeidet man das Reiten des Pfeils. Die Position des Nockpunkts kann auch nach den Absichten eingestellt werden. Will man auf weite Distanzen schießen, kann er tiefer, für kurze Distanzen, wie z.B. in der Halle, höher eingestellt werden.
Messing-Nockpunkte sind praktischer als gebundene, da sie einfacher zu befestigen und zu verschieben sind.
(10) Geräusch- oder Sehnendämpfer
Geräuschdämpfer sollen das Geräusch des Sehnenschlags reduzieren. Ursprünglich war es gedacht, um bei der Bogenjagd die Tiere nicht zu verschrecken. Die Wahl zwischen einem Fell- oder Gummidämpfer ist Geschmackssache, wobei Gummidämpfer bei Regen praktischer sind.
Solche Dämpfer haben einen Vor- und einen Nachteil. Der Vorteil besteht darin, dass der Dämpfer den harten Sehnenschlag vermindert. Das ist besonders bei Fast Flight-Sehnen wichtig. Der Nachteil ist aber, dass die Sehne langsamer wird. Also sollte man keinen allzu großen Geräuschdämpfer anbringen.
In manchen Fällen können Sehnendämpfer auch dabei helfen, einen passenden Pfeil für den Bogen zu finden. Das kann vor allem bei schwachen Selfbows und Langbögen der Fall sein. Um die gewünschte Wirkung auch zu erreichen, sollten sie nicht zu nahe oder zu weit vom Bogenende angebracht werden. Gemessen wird ab der Stelle, wo die Sehne den Bogen an den Wurfarmenden berührt. Das ist bei Langbögen und Recurve jeweils anders.
(11) Tiller
Der tiefste Punkt im Griff ist normalerweise die geometrische Mitte des Bogens. Der Pfeil liegt also über der Mitte auf der Sehne. Damit wird der obere Wurfarm mehr gebogen als der untere. Dadurch würden die beiden Wurfarme nicht synchron arbeiten. Aus diesem Grund wird beim Bau eines Bogens der Tiller entweder durch eine unterschiedliche Zugstärke der beiden Wurfarme oder durch eine Veränderung des Anstellwinkels dieser vorgenommen. Bei Langbögen oder einteiligen Recurves muss man sich darauf verlassen, dass der Hersteller alles richtig gemacht hat. Bei Bögen mit einer eigenen Konstruktion für die Wurfarmaufnahme hat man ebenfalls selten die Möglichkeit nachträglich noch Feineinstellungen zu machen. Das geht eigentlich nur bei ILF-Systemen, wo der Anstellwinkel der Wurfarme fein eingestellt werden kann.
Gemessen wird der Tiller vom Ende des Griffstücks bis zur Sehne. Grundsätzlich sollte der obere Abstand größer sein als der untere. Dadurch hat der untere Wurfarm eine höhere Vorspannung als der obere, wodurch sich die stärkere Biegung des oberen Wurfarms während des Spannens ausgleicht. Der Tiller wird berechnet, indem der untere Abstand vom oberen abgezogen wird. Dadurch ergibt sich eine positive Zahl, also ein positiver Tiller (Beispiel: 18,5 – 17,8 = 0,7 cm).
(12) Spine Holzpfeile
Holzpfeile haben den Nachteil, dass man nie zwei gleiche finden wird. Es gibt sie auch nur in 3 Durchmessern: 5/16, 11/32 ud 23/64 Zoll. Der Spine wird bei Holzpfeilen bei einer Auflage von 26 Zoll Abstand gemessen. Er muss umgerechnet werden und wird dann in Pfund angegeben. Dabei rechnet man z.B. bei einer Durchbiegung von 0,5 Zoll:
26 : 0,5 = 52 Pfund.
(13) Spine Carbonpfeile
Carbonpfeile dagegen werden in den unterschiedlichsten Durchmessern, Spines und Gewichten angeboten. Bei teuren Carbonpfeilen wird auch noch die Geradheit angegeben. Gemessen werden sie bei einem Auflageabstand von 28 Zoll. Beispielsweise entspricht dann ein 600er einer Durchbiegung von 0,6 Zoll.
(14) Pfeillänge
Die Pfeillänge wird am besten – unabhängig von den Vorgaben einer Organisation – so festgestellt, dass man sie von der Sehnenkerbe bis zur Rückseite des Bogens misst. Um sicher zu gehen, dass die Pfeile nicht zu kurz werden, wenn man mal zu weit zieht, kann man noch 1 bis 1,5 Zentimeter dazu geben.
(15) Pfeilgewicht (Ohne Bild):
Das Gewicht wird inklusive Spitze, Insert, Nocke und Federn gemessen. Als übliches Maß wird dabei Grain verwendet (1 g = 15,43 gr). Alternativ kann man sich das auch in Gramm merken.
Bei Carbonpfeilen findet man noch die Bezeichnung GPI (Grain per Inch). Je nach Länge die Pfeile ergibt sich daraus das Gewicht des Schafts. Dazu rechnet man dann noch Spitze, Inserts, Nocke und Federn.
(16) Spitzengewicht
A) Holzpfeile: Hier gibt es für die Durchmesser 5/16, 11/32 und 23/64 Spitzengewichte von 70 bis 125 Grain. Einige Hersteller verwenden dabei Ringe auf der Spitze, um das Gewicht schnell ablesen zu können.
B) Spitzen für Carbonpfeile sind für alle Durchmesser und Gewichte von 60 bis 125 Grain zu haben. Werden sie in ein Insert eingeschraubt, muss dieses zum Schaft passen. Einige Hersteller halten sich nicht an die Innenmaße, was zu Folge hat, dass die Inserts dieser Hersteller nicht in den Schaft passen.
Wer es noch genauer abstimmen will, kann Spitzen mit abbrechbaren Gewichten verwenden.
(17) Federn
Es gibt Plastikfedern (Vanes) und Naturfedern. Vanes gibt es in 2 Formen, Shield und Parabol. Es gibt sie von 2 bis 5 Zoll in Abstufungen von 1/2 Zoll.
Naturfedern sind meist vom Truthahn vom linken oder rechten Flügel. Auch sie gibt es in verschiedenen Formen von 3 bis 5 Zoll in Abstufungen von 1 Zoll. Selbst hergestellte Federn können auch andere Längen haben.
(18) FOC
Der FOC (Front of Center) beschreibt den Prozentsatz wie weit sich der Balancepunkt vor der Pfeilmitte befindet. Es ist eines der wichtigsten Elemente, das die Form der Flugkurve beeinflusst.
Ein Pfeil mit großem FOC (z.B. 20%) fliegt zwar stabil, aber aufgrund der Gewichtsverteilung sinkt er schneller. Ein Pfeil mit niedrigem FOC (z.B. 5%) dagegen hält seine Flugbahn besser, kann aber instabil fliegen. Die Empfehlungen gehen dabei auseinander. Im Wesentlichen kann man sagen, dass bei weiten Entfernungen ein FOC von 6 bis 12 %, bei kurzen Entfernungen 10 bis 15% passend sind.
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