Den richtigen Bogen finden
Wer sich einen neuen Bogen zulegt, sollte sich das gut überlegen. „Welcher ist der Richtige, passt er zu mir und zu dem, was ich vorhabe?„, sind Fragen, die man zuerst für sich beantworten muss. All das sollte in die Kaufüberlegungen mit einfließen. Wer das nicht macht, könnte danach frustriert sein, weil es die falsche Entscheidung war.
Immer wieder merke ich in meinen Seminaren, dass Schützen das für sie falsche Equipment haben. Sie sind dann todunglücklich, wenn man ihnen die Schwachstellen aufzeigt. Wenn man sich einen neuen Bogen kauft, sollte man daher systematisch vorgehen. Der rechts abgebildete Kriterienkatalog soll dabei helfen, den Richtigen zu finden.
Mein Niveau
Anfänger
Ist man kompletter Anfänger, sollte man sich nicht sofort einen neuen, teuren Bogen kaufen. Auch ein Bogen um nur € 130,- ist rausgeschmissenes Geld, wenn man ihn nur drei Monate lang schießt. Man baut nämlich relativ schnell Kraft auf und der Bogen mit z.B. 25 - 28 Pfund ist dann schnell zu schwach. Deshalb ist es besser man leiht sich einen Bogen bei einem Händler oder einem Verein für die erste Zeit aus.
Einsteiger
Als Einsteiger kann man jene Schützen bezeichnen, die sich den ersten, auf sich abgestimmten Bogen anschaffen wollen. Auch hier sollte man noch nicht in die Vollen greifen und den teuersten Bogen kaufen. Die Ansprüche werden sicher im Laufe der Zeit wachsen.
Mittelklasseschützen
Diese Schützen haben schon eine Ahnung und können die Qualität von Bögen (Geschwindigkeit, Schussruhe, Verzeihung von Fehlern ...) einordnen.
Turnierschützen
Wer Turniere schießt, weiß in der Regel, was ein guter Bogen ist und wird sich auch einen solchen anschaffen. Hier spielen die Leistungsdaten des Bogens sicher eine wichtige Rolle.
Verwendungszweck?
Nur zum Spaß im Garten schießen
Wer nur für sich im Garten hin und wieder schießen möchte und sonst keine Ambitionen hat, wird sich einen günstigen Bogen zulegen. Wenn ich nur mich selbst als Vergleichswert habe, tut´s auch ein solcher.
Auf 3-D-Parcours zum Spaß schießen
Will man nur zum Spaß und ohne sportlichen Anspruch schießen, wenn also Treffen und Punkte völlig egal sind, wird man zu einem günstigeren Bogen greifen. Auch das Zuggewicht wird geringer sein, weil man ja auf eher kürzere Entfernungen schießen will.
Leistungsorientiert auf 3-D-Parcours schießen
Anders verhält sich die Sache, wenn man auf einem Parcours doch auch treffen möchte, und das noch dazu auf weitere Entfernungen. Da sollte der Bogen schon ein bestimmtes Zuggewicht haben, damit man auch noch auf 50 Meter eine Chance hat etwas zu treffen.
3-D-Turniere schießen
Ähnliche Überlegungen wird man hier anstellen müssen. Je nachdem, ob man an WA-Turnieren (bis 30 m) oder an IFAA-Turnieren (bis 54 m) teilnehmen möchte, wird man sich bei ersteren einen Bogen mit eher weniger Pfund zulegen. Will man aber weit schießen, wird der Bogen stärker sein müssen.
An Meisterschaften teilnehmen
Und will man bei nationalen oder internationalen Turnieren teilnehmen, sollte man schon mit einer einigermaßen professionellen Ausrüstung antreten. Die Experten bereiten sich dann wirklich darauf vor.
Fürs Reisen
Wer den Bogen auf weite Reisen mitnehmen möchte, sollte auch daran denken. Auf Flugreisen ist ein dreiteiliger Bogen – egal ob Lang- oder Recurvebogen von Vorteil. Man kann ihn in der Reisetasche verstauen und braucht nicht ein langes Rohr, das für einen Langbogen notwendig ist, mitzuschleppen.
Was ist für mich wichtig?
Optik
Natürlich ist ein Bogen aus Holz mit einer tollen Maserung auch schön. Aber Schönheit schießt eben nicht automatisch gut. Man sollte daher die Optik nicht überbewerten und eher auf andere Merkmale auch schauen.
Leistung
Wer treffen will, braucht einen leistungsfähigen Bogen. Dazu gehören alle Leistungsdaten wie: Geschwindigkeit, Bogengewicht, Bogenlänge, Länge des Mittelteils etc.
Bogenart
Und diese Überlegungen müssen vor allem Einsteiger machen. Die meisten Bogenschützen, die schon eine Stufe weiter sind, haben sich das schon überlegt. Viele sind eigentlich schon von ihrem Bogenstil überzeugt. Ein Selfbowschütze schwört auf sein Gerät, ein eingefleischter Langbogenschütze wird auch eher seltener den Bogen wechseln. Wer allerdings oft seinen Bogen und auch die Bogenstile wechselt, wird in den seltensten Fällen ein sehr guter Schütze werden.
Natürlich unterscheiden sich die Bögen nicht nur in der Optik, sondern auch in der Leistung. Ein sehr guter Selfbow oder Primitiv Bow wird nie die Leistungsdaten eines sehr guten Langbogens erreichen. Das Gleiche gilt natürlich auch für die anderen Bogenarten. Nimmt man die besten Bögen der jeweiligen Kategorien, ergibt sich eine Reihenfolge der Leistungen: Selfbow, Langbogen, Hybridbogen, einteiliger Holz-Recurve, dreiteiliger Holz-Recurve, dreiteiliger High Tech-Recurve.
Bei dreiteiligen Recurvebögen muss man sich auch über das Aufnahmesystem der Wurfarme im Klaren sein. Viele Hersteller haben ein eigenes System. Damit ist man beim Wechseln der Wurfarme eingeschränkt. Man kann nur Wurfarme von diesem Hersteller verwenden. Wesentlich flexibler ist man mit dem sogenannten ILF-System (Internat. Limb Fitting). Dieses System ist standardisiert. Damit kann man dann Wurfarme vieler Hersteller verwenden. Einige Hersteller bieten dieselben Bogenmodelle mit eigenem System und ILF an.
Bogendetails
Rechts- oder Linkshandbogen
Das ist vor allem für Anfänger von Bedeutung. Sie sollten zuerst feststellen, ob sie den Bogen in die linke oder rechte Hand nehmen. Für alle anderen sollte die Frage schon beantwortet sein.
Bogengewicht
Ein schwerer Bogen ist fehlerverzeihender. Wer nur auf die Optik schaut und sich einen extrem leichten und kurzen Hybridbogen kauft, wird feststellen, dass der kleinste Fehler sich schon brutal auswirken kann.
Auszugslänge
Die Auszugslänge muss am Anfang festgestellt werden. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. Auch wenn man schon längere Zeit schießt, kann sie sich ändern. Deshalb sollte man die Auszugslänge hin und wieder bestimmen.
Bogenstärke
Als Faustregel gilt: Der Bogen sollte nicht zu stark sein. Man muss ohne größere Probleme an die 100 Schüsse machen können. Schießt man regelmäßig, wird auch die Kraft steigen. Das bedeutet, dass Anfänger einen Bogen mit geringem Zuggewicht brauchen. Einsteiger werden sich dann etwas steigern. Und Schützen, die schon länger schießen, werden ihr Zuggewicht nicht mehr ändern.
Anfänger: 20 - 25 Pfund
Einsteiger: 25 - 30 Pfund
Langbogen: bis 35 (w), 45 (m) Pfund
Recurve: bis 30 (w), 40 (m) Pfund
Bogenlänge
Je länger der Bogen, desto ruhiger, aber auch langsamer. Wer also Präzision will, muss so einen Bogen nehmen. Und umgekehrt: Je kürzer, desto nervöser. Turnierschützen sollten daher eher zu einem langen und schweren Bogen greifen, um möglichst genau schießen zu können.
Herstellungsverfahren
Ein industriell produzierter Bogen ist logischerweise billiger als ein handgefertigter. Wenn man also bestimmte Ansprüche hat, die ein Bogen „von der Stange„ nicht hat, muss man zu einem Bogenbauer gehen. Hier wird der Bogen auf die eigenen Bedürfnisse angepasst. Und das hat seinen Preis. Ein Custom-Recurve kann dann schon mal mit € 2.500, - zu Buche schlagen.
Fazit
Alle bisher dargestellten Kriterien schlagen sich auf den Preis nieder. Bögen bis € 150,- sind sicher als Anfängerbögen zu bezeichnen. Erst ab dieser Preisklasse bekommt man einigermaßen leistungsfähige Bögen. Aber es gilt: Teuer ist nicht gleich gut! Um einen leistungsfähigen Langbogen, der auch ein höheres Eigengewicht hat, zu bekommen, wird man schon um die € 500,- auslegen müssen.
Einigermaßen gut funktionierende Recurves bekommt man schon etwas billiger. Und wenn man sich wirklich einen Bogen leisten möchte, mit dem man vorhat, länger zu schießen, wird man schon bei rund € 800,- einsteigen müssen. Auch ein traditioneller Bogen über € 2.000, - ist bei einigen Bogenbauern zu bekommen.
Bewertung des Beitrags
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
7 ... 82
