Bogenschießen in Chile
Interview mit Alfonso Borquez Salgado, Präsident des chilenischen Bogensportverbandes FECHTA – Federacion Chilena de Tiro Con Arco
Sehr geehrter Herr Präsident, es freut uns, dass Sie sich für ein Interview mit uns Zeit nehmen. Chile ist ja aus europäischer Sicht sehr weit weg. Wir wollen deshalb unseren Lesern einen kleinen Einblick über das Bogensportgeschehen am anderen Ende der Welt geben. Erzählen Sie uns bitte einiges zu Ihrer Person.
Zunächst möchte ich dem Interesse Ihres Magazins dafür danken, mehr darüber zu erfahren, wie sich unser Sport im äußersten Süden der Welt entwickelt, in Südamerika, insbesondere in Chile, einem Land, das weit abseits von den großen Zentren der Bogensport-Welt liegt.
Ich bin seit fast acht Jahren Bogenschütze. Als ich mit dem Bogensport begonnen habe, war ich nicht mehr so jung, aber ich habe es einfach getan. Ich habe mich nicht nur in den Sport verliebt, sondern in alles, was damit zusammenhängt. Ich fertige selbst gerne Ausrüstung an und mag vor allem die Kameradschaft in diesem Sport. Dieser hat auch meiner Meinung nach großes Potenzial für die Entwicklung der Jugend in unserem Land.
Wie groß ist Ihr Verband, wie viele Vereine sind Mitglied und wie viele Mitglieder sind es insgesamt?
Unser Verband ist noch recht jung, wir sind erst drei Jahre alt und seit Ende 2018 sind wir Mitglied in der IFAA. Gegenwärtig haben wir rund 150 Mitglieder und haben elf assoziierte Clubs. Im letzten halben Jahr, als wir als neuer Vorstand des Vereins gewählt wurden, hat sich die Anzahl der Mitglieder fast verdoppelt. Und die Clubs bestätigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Wie wichtig ist Bogenschießen in Ihrem Land im Vergleich zu anderen Sportarten?
Ehrlicherweise handelt es sich um eine Sportart, die nicht sehr bekannt ist. Trotzdem verzeichnete unser Bogenschützenverband FECHTA ein relativ großes Wachstum in Bezug auf Mitarbeiter und Vereine.
Wir arbeiten aber auch seit letztem Jahr intensiv daran, unseren Sport bekannt zu machen. Wir haben ihn erfolgreich an einer Universität als Teil der allgemeinen Bildung eingeführt. Dort wurde dann ein Universitätsclub gegründet, der jetzt eine Bogenliga durchführt. Und in drei Schulen wurde Bogenschießen als Wahlfach eingeführt.
Der Verband hat auch erfolgreiche internationale Schützen und Sieger. Welchen Ruf haben diese Sportler in Ihrem Land?
Richtig, im Jahr 2018 war zum ersten Mal ein offizielles Team unseres Verbandes bei den südamerikanischen Indoor-Meisterschaften in Buenos Aires, Argentinien. Hier haben wir gleich drei Medaillen, davon zwei Gold- und eine Silbermedaille, in verschiedenen Disziplinen geholt. Leider hatten wir nicht viel Beachtung in der Presse gefunden. Aber wir hoffen, diese Situation ändern zu können.
Gibt es eine Nationalmannschaft? Und welche Bogendisziplinen sind hier vertreten?
In unserem Verband schießen wir nach den IFAA-Bestimmungen. Daher nehmen wir nur an Meisterschaften dieses Verbandes teil. Am häufigsten schießen unsere Mitglieder Freestyle Unlimited (FU), Bowhunter-Recurve (BHR) und Traditional Recurve (TR). Wir bemühen uns jedoch andere Disziplinen, wie den historischen Bogen und den Langbogen zu fördern.
Ihr Land ist sehr groß, gibt es da Probleme mit der Entfernung bei Turnieren?
Unser Land ist tatsächlich von Norden nach Süden fast 4.300 Kilometer lang. Und das behindert natürlich unsere Entwicklung etwas.
Wir haben dafür aber eine Lösung gefunden. Wir veranstalten nun Ligen im Mailmatch-Modus, was die Sache sehr erleichtert. Diese Turniere erhöhen die Anzahl der Teilnehmer und ermöglichen es an Orten, wo derzeit wenig Bogenschützen leben, sich mit Athleten aus dem ganzen Land zu messen.
Am Ende des Jahres gibt es ein nationales Finale in den drei Regionen Nord, Mitte und Süd. Hier treffen sich dann tatsächlich alle Teilnehmer am Austragungsort. Das heißt also, dass man nur einmal pro Jahr wirklich weit reisen muss.
Wie schaut die Versorgung mit Equipment aus?
Es ist sehr unterschiedlich. Es gibt alles, aber da es so weit abseits von der Bogensportwelt liegt, ist die Ausrüstung fast doppelt so teuer wie im internationalen Vergleich. Man muss hier mit Lieferzeiten zwischen ein und zwei Monaten bei Auslandseinkäufen rechnen. Es gibt auch nur sehr wenige Fachgeschäfte im Land. Das ändert sich aber in letzter Zeit. Und einiges wird auch schon im Land hergestellt.
In Europa, insbesondere in Deutschland und Österreich, ist 3-D-Bogenschießen sehr beliebt. Wie siehr es in Chile aus?
3-D ist in Chile, wie auch in Europa, eindeutig eine sehr beliebte Disziplin. Leider sind 3-D-Ziele aufgrund von Transport- und Versicherungskosten in Chile sehr teuer. Das schränkt uns sehr ein. Es gibt nur wenige Clubs und Einzelpersonen, die das auf sich genommen haben und einen 3-D-Parcours aufgestellt haben.
Auf der anderen Seite hatte der Feldbogenbereich in diesem Jahr einen großen Zulauf. Das auch deshalb, weil hier die erste südamerikanische Meisterschaft stattfindet. Daran nehmen Argentinien, Brasilien, Uruguay und Chile teil (www.safac2019.org). Ende Oktober wird sie in La Serena, wo mehr als 100 Athleten aus den genannten Ländern teilnehmen werden, stattfinden. Und wir erwarten auch einige Gäste aus Bolivien und Peru. Wir unterstützen diese Länder, damit sie auch in die IFAA aufgenommen werden.
Ist für den Verband die Bogenjagd auch ein Thema?
Ich würde nein sagen, da Bogenschießen in Chile kein weit verbreiteter Sport ist, der in den Medien noch nicht die Bedeutung hat. Wir als Verband haben nur eine sportliche und wettkampforientierte Ausrichtung. Obwohl die Bogenjagd in Chile erlaubt ist, wollen wir hier aber eine klare Abgrenzung haben.
Danke für das Interview.