Dr. Adrian de Villiers: Aus meiner Sicht

Die derzeitige Situation in Südafrika

Der Autor: Dr. Adrian de Villiers:
Der Autor: Dr. Adrian de Villiers: Südafrikaner Radiologe im Ruhestand, ehemaliger Wildfarmbesitzer und Züchter, Bogenjäger, Berufsjäger und Wildführer für die Big Five im Ruhestand

Ich war am Beginn der Bogenjagd-Ära in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren dabei und habe die allmähliche Legalisierung der Bogenjagd miterlebt. Damals wurde auch die Jagd auf Dickhäuter mit Pfeil und Bogen erlaubt. Dies wurde durch das Engagement vieler Leute, wie Tony Tomkinson, Nico Pelser und Derek van Staden, um nur einige zu nennen, und dem Naturschutzministerium erreicht.

Innerhalb weniger Jahre machten viele Farmer, darunter auch ich, nur Werbung für die Bogenjagd auf ihrem eigenen Land. Die Ruhe im Busch wurde nicht gestört. Bogenjagdfarmen konnten in der Nähe von Menschen betrieben werden, da keine großkalibrigen Kugeln herumflogen. Der größte Vorteil eines Bogens war, dass keine Lizenz dafür notwendig war; wie es heute noch der Fall ist. Man konnte einen Compound oder eine Armbrust kaufen und jagen, wenn man sich dafür bereit fühlte. Ein anderer Vorteil für die Farmer bestand darin, dass verwundete Tiere nicht an einer Infektion starben und sich oft innerhalb einer Woche zu 100 % erholten; außer Magen oder Gedärm wurde getroffen. Anders ist das bei der Verwendung von Hochleistungsgeschossen, die das Gewebe zerfetzen und die Tiere dann durch eine Infektion eingehen.

Als die neue Regierung 1994 an die Macht kam, wurde es fast unmöglich, einen neuen Waffenschein zu bekommen. Und so florierte der Bogenmarkt, da sich die jüngere Generation sehr für die Bogenjagd interessierte. Der Betrieb eines Bogenshops fordert viel Kapitalaufwand. In den frühen 1980er-Jahren war ein Bogen und dazu passende Pfeile in damaliger „guter Qualität„ für die meisten Südafrikaner erschwinglich. Ich weiß noch, dass ein Mittelteil eines Compoundbogens aus Magnesiumguss relativ billig war. Ich weiß das, weil ich selbst einen aus T4-Aluminium gefräst habe. Pfeile waren um 100 Rand im Dutzend zu haben. Aber damals war 1 Rand umgerechnet rund 1,20 US-Dollar wert und jetzt sind es 15 für den Dollar. Wäre der Kurs gleichgeblieben, würde heute ein moderner Compound nur 1.600 Rand (rd. € 100,-) kosten. Dies ist jedoch ein Wunschtraum, da der Rand nur wenige Cent wert ist und die besten Bögen in Dollar gekauft und in Rand nach Mehrwertsteuer und Steuern verkauft werden. Heute kostet aber z.B. ein Hoyt Compound der Spitzenklasse 30.000 Rand (rd. € 1.750,-). Rechnet man noch Visier, Release, Pfeile und sonstige Ausrüstung hinzu, muss man noch einmal € 1.000,- drauflegen. (Anm.: Das Durchschnittsmonatseinkommen eines weißen Südafrikaners liegt bei € 600 – 800. Schwarze (€ 140,-) und Coloured (€ 180,-) verdienen noch weniger).

Kauft man sich eine zugegebenermaßen teure Bogenausrüstung, hat man dabei immer noch Vorteile. Dies sind alles Dinge, die man mit einer lizenzierten Schusswaffe nicht tun kann. Diese sind dabei:
■ Man braucht keine Lizenz und man hat keine Wartezeit zwischen dem Kauf und der Nutzung.
■ Wenn man einen Garten hat, kann man dort üben und muss nicht auf einen speziellen Schießstand gehen. Vorsicht aber, nicht über den Gartenzaun schießen!
■ Wenn man die Pfeile nicht verliert oder zerbricht, sind die Betriebskosten gering.
■ Den Bogen kann man jederzeit verkaufen oder verleihen.

Wenn man möchte, muss man eigentlich nur mehr Jagd­spitzen kaufen, die Tier­anatomie lernen, eventuell Youtube-Videos ansehen, Bogenjagdfarmen in Ihrer Nähe googeln – und los geht die Jagd. Rund € 2.000,-, die man in die beste Ausrüstung investiert, kann man jahrelang schießen. Ich schieße immer noch mit meinem 2017 Elite. Und das passt so. Im Gegensatz zu einem Gewehr ist ein Bogen jedoch nach zehn Jahren relativ wertlos und die Kinder werden nichts Wertvolles erben können.

Die andere Möglichkeit ohne Waffenlizenz zu jagen ist eine Armbrust. Die Armbrust, ausgestattet mit einem Zielfernrohr, kann man beispielsweise in jedem Bogenladen kaufen. Jeder, sogar ein Kind, könnte damit eine Orange auf 100 Meter treffen. Das funktioniert extrem gut, wenn man mit der richtigen Pfeil-Broadhead-Kombination schießt. In letzter Zeit wird es aber wieder schwierig, Waffenscheine zu erneuern. Der Kauf eines Bogens oder einer Armbrust ist somit wieder die viel einfachere Option.

Ich selbst war Betreiber einer Jagdfarm (game farmer). Leider habe ich das Gewerbe aufgeben müssen. Aber trotzdem liegt mir das Ganze immer noch sehr am Herzen. Die wichtigste Frage heutzutage für Jagdfarmbetreiber ist: Kann man auch nach Covid von der Jagd leben? Prinzipiell ja. Aber dann braucht man einen guten Wildtierbestand und eine gute Infrastruktur. Und man muss von ausländischen Jägern in Dollar oder Euro bezahlt werden.

Der durchschnittliche südafrikanische Bogenjäger nämlich ist nicht an teuren Trophäentieren interessiert. Das habe ich schon vor einigen Jahren gesehen, lange vor Covid. Die einheimischen Jäger sind am Fleisch interessiert. Sie wollen nur Gnus, Blessbuck, Impala und Warzenschweine schießen. Im Allgemeinen sind die Tagessätze von Bogenjagdfarmen für die Einheimischen viel billiger als für Jäger, die ein All Inclusive Package auf einer Jagdfarm buchen, wo die Jagdbetreuung und drei große Mahlzeiten pro Tag inkludiert sind. Für Einheimische ist es billiger, wenn sie auf eine Selbstversorger-Farm fahren und ein paar Kleintiere schießen. Daran ist nichts auszusetzen, aber der durchschnittliche Südafrikaner hat heutzutage trotzdem Probleme, sich das leisten zu können. Das geht schon seit einiger Zeit so und ich sehe nicht, dass es bald besser wird. Der südafrikanischen Wirtschaft geht es nämlich sehr schlecht.

Vor einigen Jahren noch hatten wir eine blühende Jagdindustrie und ich war mittendrin. Ich war aber nur eine kleine Nummer dabei. Ich habe auch Farbvariationen, wie goldene Gnus und schwarze Impalas gezüchtet und betrieb eine gut laufende Bogenjagdfarm. Ich hatte im Laufe der Jahre über ein halbes Dutzend Farmen, aber immer nur eine oder zwei gleichzeitig. Ein goldener Gnubulle kostete jeweils umgerechnet € 50.000,- und ein schwarzer Impalabock um die € 40.000,-. Alles war damals rosig. Überall schossen Wochenendhäuser aus dem Boden, kleine Öko-Lodges kauften exotisches Wild, um selbst an der Zucht zu verdienen. Die meisten kleinen Farmen züchteten mit ihren kleinen Herden schwarze Impalas. Mir wurde damals schon klar, dass die Zucht von diesen Farbvarianten ein riesiges Schneeballsystem war. Die Preise schossen in den Himmel. Die großen Züchter trieben die Preise immer höher, indem sie auf großen Auktionen die Tiere verkauften. Ich ahnte, dass die Blase bald platzen würde. Daher haben mein Partner Cliff Foggitt und ich alle Farbvarianten verkauft und nur reinrassige Arten angeschafft. Wir haben viel Geld dafür bekommen, aber dafür auch viel für Büffel und Sableantilopen ausgegeben.

Wie es kommen musste: Die Blase platzte. Es war nicht Covid 19, das diese Blase sprengte, sondern die Politiker wie Julius Malema (Anm.: Führer der Partei EFF – Economic Freedom Fighters, eine kommunistische Partei seit 2019 in der Regierung), der sich für die Enteignung von Farmern ohne Entschädigung einsetzt. Und Präsident Cyril Ramaphosa vom ANC (African National Congress) hat aus politischen Motiven heraus dem auch noch zugestimmt. Tausende kleine, mittlere und sehr große Farmen, auch Jagdfarmen, standen plötzlich zum Verkauf. Und niemand wollte nun mehr Wild kaufen. Auch mein Traum, sich auf meiner Farm zur Ruhe zu setzen, war geplatzt, ebenso wie die Träume von Tausenden anderer. Der Markt war nun mit Farmen überschwemmt. Eine milliardenschwere Industrie wurde im Handumdrehen von der Politik zerstört.

Ich musste auch aufgeben. Mein Sablebulle, der vorher € 26.000,- kostete, war jetzt nur € 600,- wert. Sableantilopen wurden auf Auktionen für nicht einmal € 350,- pro Stück verkauft. Die Jagd, wie ich sie kannte, war vorbei. Präsident Cyril Ramaphosa, der selbst 128 Millionen Rand (7,5 Mill Euro) für einen Büffel auf einer Auktion ausgegeben hatte, war selbst davon betroffen. Das Schlimmste ist aber, dass das niemand in der Regierung kümmert. Der Präsident räumt selbst ein, dass seine eigenen Farmen in Trümmern liegen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Jagdindustrie stark bedroht ist. Wochenendfarmer werden immer weniger, da sie mit der Landwirtschaft alleine ihre Familien nicht ernähren können. Nur wer über ein zusätzliches Einkommen verfügt, um sein kleines Stück Afrika zu erhalten, wird überleben. Viele Farmer können trotzdem immer noch mit der Jagd überleben, aber die meisten werden es nicht schaffen. Die Covid-Situation hat das Problem verstärkt, weil Menschen ihren Arbeitsplatz verloren haben und sich weniger Südafrikaner die Jagd leisten können. Und die entschädigungslose Landenteignung wird für viele Farmer der letzte Nagel im Sarg sein.

Spekulanten kaufen Farmen, bieten aber nur mehr 10 bis 20 % ihres Wertes an. Ich musste meine Farm mit großem Verlust verkaufen, nur um sie aufzugeben. Ich habe seinerzeit mit nichts angefangen und diese Regierung versucht alles, dass ich auch mit nichts abtrete.

Ein kleiner Lichtblick für engagierte Trophäenjäger ist aber, dass man nun Tiere, die früher sehr teuer waren, für einen Bruchteil mit dem Bogen jagen kann. Heute kann man einen Sablebullen für € 1.200,-, ein goldenes Gnu für € 600,- und ein schwarzes Impala für € 250,- jagen.

Ich wünschte, ich könnte optimistisch sein, aber schauen Sie sich nur den Rest Afrikas und insbesondere Simbabwe an, wie das alles enden kann.

Seltene Farbvariationen

In Südafrika nennt man Besitzer eines Stück Landes Farmer. Betreiben sie die Jagd auf diesem Gebiet, dann sind sie sogenannte game farmer (Wildfarmer). So um 2005 begann man in Gefangenschaft gehaltene und nicht in freier Wildbahn vorkommende Farbvarianten zu züchten. Die Idee dahinter war, dass Jäger einmal mehr bezahlen würden, um ungewöhnlich farbige Trophäentiere zu schießen. Auf Versteigerungen wurden für diese Tiere astronomische Summen bezahlt. 2014 wurde beispielsweise auf einer Auktion für einen weißen Impalabock die Rekordsumme von 8,2 Mill. Rand (€ 480.000,-) bezahlt.

Das war nichts anderes als ein klassisches Schneeballsystem, also eine Spekulationsblase. Früheinsteiger verdienen viel Geld, die später einsteigen verlieren. Und genau das ist dann auch passiert. Irgendwann fragte man sich, ob die Jäger auch so teure Tiere schießen wollen. Und das taten diese aber nicht. Anfang 2016 rutschten die Preise der Farbvarianten bereits ab und 2019 brach der Markt endgültig in sich zusammen. Mit farbvarianten Tieren wurde ein Angebot geschaffen, für das es bei denen auf die es ankommt, nämlich die Jäger, keine wirkliche Nachfrage gab.

Golden Gnu Schwarzes Impala

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