Das richtige Winkelmaß

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten zu schießen. Dabei sollten aber die Basics nicht außer Acht gelassen werden. Beachtet man diese, kann man sich mit seinem eigenen Stil beschäftigen.

Zur Wiederholung: Was sind nun die drei Basics, die man immer beachten sollte? Diese sind an dieser Stelle schon des Öfteren behandelt worden. Die Erfahrung der letzten 30 Jahre zeigt aber, dass eine Wiederholung nie schaden kann.

■ Immer gleicher Stand und Körperhaltung
■ Immer gleicher Auszug
■ Die Hand geht nach dem Lösen in die Gegenrichtung des Pfeilflugs.

Das Beachten der Winkel ist bei der Kraftübertragung wichtig. So auch beim Schießen. Die Arme mit den Ellbogen und die Schulter sind die Stellen, wo ich verschiedene Winkel einstellen kann. Im Wesentlichen habe ich dabei vier Punkte, an denen unterschiedliche Winkel eingestellt werden können. Und diese Winkel sind sowohl in der vertikalen als auch in der horizontalen Richtung wichtig. Als Faustregel kann gelten, je mehr der Winkel vom gestreckten Winkel (180°) abweicht, desto problematischer kann es werden.

Vertikale Winkel

Sehen wir uns einen Schützen von der Seite an. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten, die Schulter und beide Ellbogen in der Höhe zu verstellen (Bild 1).

Winkelt man den Ellbogen der Bogenhand ab, muss die Stabilisierung über die Muskeln erfolgen. Das hat Nachteile. Man kann den Winkel nie exakt gleich halten. Ist oder wird man müde, verändert sich der Winkel und in der Regel wird der Auszug kürzer und damit die Geschwindigkeit des Pfeils geringer. Das Ergebnis ist, dass der Pfeil tiefer trifft. Es ist also ratsam, den Arm über die Knochen zu stabilisieren, also den Arm zu strecken (Bild 2).

Der zweite Winkel ist an der Schulter des Bogenarms. Dabei ist zu achten, dass diese neutral bleibt, also nicht nach oben gezogen wird. Das ist häufig bei Schützen zu beobachten, die einen zu starken Bogen schießen. Auch kann man das beobachten, wenn zu stark in die Rückenspannung gegangen wird. Man sieht es den Schützen dann oft an, wie verzweifelt sie an der Sehne ziehen. Die Bogenhand fängt oft zu zittern an (Bild 3).

Um optimal schießen zu können, muss der Ellbogen auf oder über der Linie des Pfeils sein. Damit zieht man nicht mehr hauptsächlich mit dem Bizeps, sondern aus der Rückenmuskulatur. Grund dafür ist oft der nach unten gezogene Oberarm. Damit kann man überhaupt keine Spannung aufbauen (Bild 4).

Da der Körper nicht immer so wie ein theoretisches Modell funktioniert, kann es vorkommen, dass bei einigen Schützen der Ellbogen besonders hoch ist. Das wird aber nicht aus Jux und Tollerei so gemacht, oder weil man es nicht weiß, sondern weil nach subjektivem Gefühl die Hebelwirkung so am besten ist. Wird auf Anraten eines Experten der Ellbogen nach unten genommen, verändert sich der Winkel in der Schulter und es fühlt sich dann unter Umständen unangenehm an. Deshalb sage ich: Wer mit einem zu tiefen Ellbogen schießt, muss nach oben. Wer mit einem zu hohen schießt, kann es ruhig so lassen, auch wenn das der eine oder andere Fachmann kritisieren sollte.

Vertikale Winkel:
A) Ellbogen der Bogenhand
B) Schulter der Bogenhand
C) Schulter der Zughand
Ellbogen der Bogenhand:
Schießt man mit abgewinkeltem Ellbogen des Bogenarms ist der Auszug immer unterschiedlich.
Schulter der Bogenhand:
Ist der Bogen zu stark, wird die Schulter des Bogenarms nach oben gezogen.
Schulter der Zughand:
Geht der Winkel nach unten, ist der Ellbogen zu tief.

Horizontale Winkel

Schauen wir uns nun den Schützen von oben an. In Bild 5 sieht man die Form, welche am häufigsten in Publikationen als die ideale dargestellt wird. Dabei sind die Punkte Bogenfenster – Ankerpunkt – Ellbogen in einer Linie. Leider sieht die Praxis aber anders aus. Viele Schützen haben aber oft nicht die körperlichen Voraussetzungen, um auch tatsächlich so zu schießen. Gründe dafür gibt es mehrere. Das kann an der fehlenden Kraft liegen, aber auch an der Anatomie, die das nicht zulässt. Sie schießen daher so, wie in Bild 5C abgebildet. Der Ellbogen kann nicht in eine Linie mit Pfeilauflage und Ankerpunkt gebracht werden.

Im Wesentlichen geht es dabei um drei Winkel, die sich auf den Schuss auswirken können.
Winkel zwischen Bogenarm und Pfeil (Bild 5)
Winkel zwischen Bogenarm und Schulterlinie (Bild 6)
Winkel zwischen Pfeil und Zugarm (Bild 7)

Oft wird das auch noch durch einen offenen Stand verstärkt. Dabei werden alle drei Winkel größer. Sind die Winkel nicht optimal, gibt es immer eine Abweichung zu einer nicht beabsichtigten Seite. Es geht also darum, alle drei Winkel möglichst klein zu halten bzw. auf null zu reduzieren. Wer das nicht schafft, hat entweder einen zu starken Bogen oder aber ein körperliches Problem. Bei letzterem kann man natürlich wenig machen. Hat man aber einen zu starken Bogen, bleibt eigentlich nur mit einem leichteren Bogen zu schießen oder aber regelmäßig Kraft zu trainieren.

Bild 5:
Zwischen dem Bogenarm und Pfeil muss logischerweise ein Winkel sein. Je größer dieser Winkel, desto mehr zieht es die Bogenhand nach links (beim Rechtshänder). Dem muss die Bogenschulter entgegen wirken. Das kann man mit der Rückenspannung ausgleichen. Ohne diese wird beim Abschuss unweigerlich der Bogenarm nach links gehen (Pfeil bei Punkt A).

Bild 6:
Hat man zwischen dem Bogenarm und der Schulter einen Winkel, wird ein Teil der Kraft durch die Schulter gehen. Es wird aber auch die Schulter nach hinten gedrückt (Pfeil bei Punkt B).


Bild 7:
Sind Zugarm und Pfeillinie nicht in einer Linie, gibt es also einen Winkel (Punkt C) und ist man damit nicht in der Rückenspannung, tendiert der Ellbogen bei längerem Halten nach links (siehe Pfeil). Das bedeutet, dass immer weniger Zug auf den Pfeil ausgeübt wird und dieser den Bogen mit weniger Geschwindigkeit verlässt. Legt man dabei die Hand beim Ankern voll ins Gesicht (fester und stabiler Anker), kann man zumindest die seitliche Abweichung reduzieren. Ankert man nur mit einem Finger und legt die Hand nicht voll ins Gesicht, geht diese unweigerlich zur Seite weg und man hat mehr oder weniger starke Abweichungen zur Seite im Trefferbild.

Idealerweise sollte der Auszug so wie in Bild 5 Pinkt A sein. Damit verlässt der Pfeil den Bogen (vorausgesetzt der Pfeil passt) gerade.

2 ... 15