Training unter erschwerten Bedingungen
Die koreanischen Olympic-Schützen machen es vor: Dort werden diese mit allen möglichen Übungen auf den Stress bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen vorbereitet. Das reicht von Dauerschwimmen über Schießen von einem hohen Turm bis extrem lauter Beschallung. Auch kann der Trainer schon mal unbemerkt das Visier verstellen und somit Seitenwind simulieren. Damit will man erreichen, dass sich die Sportler von nichts aus der Ruhe bringen lassen. Und wie es scheint, gibt ihnen der Erfolg recht.
Nun, soweit werden traditionelle Schützen dann doch nicht gehen. Aber eine gewisse Professionalität kann man den heutigen Top-Leuten nicht absprechen. Wer sich auf Meisterschaften vorbereiten will, sollte deshalb auf gewisse Umstände und Situationen vorbereitet sein. Wer überrascht feststellt, dass es plötzlich zu regnen beginnt und mit Flip-Flops unterwegs ist, hat sicherlich keine guten Karten. Hier sollen nun einige Szenarien aufgezeigt werden, mit denen man bei nationalen und internationalen Turnieren konfrontiert sein kann. Deshalb sollte man auch die eine oder andere Übung zur Vorbereitung machen. Dabei geht es darum, mal zu schauen, wie man in solchen Situationen reagiert. Man soll also solche Situationen nicht meiden, sondern aktiv suchen. Nur wer sich damit beschäftigt, wird besser werden und sie auch meistern.
Außer Atem
Es ist mir des Öfteren passiert, dass ich den Weg zur ersten Scheibe unterschätzt habe. Sei es, weil der Anmarsch sehr lang war, sei es, weil ich zu spät losgegangen bin. Bei so manchem Zeitgenossen ist alleine die Grundkondition ein Problem. Das kann alles schon mal passieren. Muss man dann auch noch gleich schießen, ist es eher Glück, wenn man trifft; zumindest ging es mir so. Man könnte ja mal testen, wie gut man schießt, wenn man außer Atem ist. Dazu genügt es, ein Stück zu laufen oder am Parcours bergauf zu gehen. Ist man „auf Touren„, stellt man sich an den Abschusspflock und probiert zu schießen.
Dabei kann man sicher beobachten, wie es funktioniert. Stellt man fest, dass man größere Probleme hat, sollte man Lösungen finden, um den Puls wieder herunterzubringen. Biathleten sind darin Meister. Sie sind Profis und schaffen es, innerhalb kurzer Zeit ruhig zu schießen. Um solche Bedingungen mal richtig auszuprobieren, kann man eine halbe Runde auf einem Parcours sehr schnell von einer zur anderen Scheibe gehen oder laufen und immer nur einen Pfeil schießen.
Extrem weit schießen
Viele Bogenschützen, vor allem jene mit schwachen Bögen, haben oft große Probleme auf weite Entfernungen. Dazu sollte man sich zuerst mit dem eigenen Zielsystem auf weite Distanzen beschäftigen. Dabei geht es vor allem um den Abschusswinkel. Hat man eine Methode gefunden, mit der man auf diese Entfernungen auch trifft, geht man auf einen Parcours und schießt nur diese weiten Entfernungen. Da aber auf Parcours nicht nur Gruppe-1-Scheiben vorhanden sind, muss man sich also nur diese aussuchen. Aber aufgepasst: Nicht jeder Parcoursbetreiber ist damit glücklich und einverstanden. Zur Not geht es auch am Einschießplatz, wenn vorhanden. Ziel wäre es, die Trefferquote auf mindestens 70% zu steigern. Mehr wäre natürlich noch besser.
Nur ein Pfeil
Hat man drei Pfeile, die man schießen kann, ist im Hinterkopf immer ein gewisses Sicherheitsdenken vorhanden. Hat man hingegen nur einen Pfeil, steigt möglicherweise die Unsicherheit. Wenn man im Treffe-ich-überhaupt-Modus ist, sinkt die Trefferquote normalerweise stark. Auch hier wäre ein spezielles Training nicht uninteressant. Man geht eine Runde am Parcours und schießt konsequent nur immer einen Pfeil. Da man normalerweise schlechte Ergebnisse unterbewusst verdrängt und positive im Gedächtnis behält, sollte man unbedingt die Punkte mitschreiben. Dabei ist es auch interessant zu sehen, wie man auf die verschiedenen Entfernungen trifft.
Um die Wette schießen
Unter Stress ist die Leistung normalerweise schlechter. Das heißt, dass man bei einem Turnier eine gewisse Aufregung verspürt. Und genau das lässt die Trefferquote sinken; teilweise sehr stark. Da gibt es immer wieder Trainingsweltmeister, die im Turnier absolut versagen. Deshalb schießt man am besten um die Wette. Das funktioniert aber nur, wenn man auch ordentlich etwas einsetzt. Ein kleiner Geldbetrag oder ein Bier sind zu wenig. Das muss schon weh tun, wenn man verliert. Der Old School-Hausmann könnte ja mal zu Hause einiges an Hausarbeit übernehmen.
Punkte aufholen
Oft passiert es in einem Turnier, dass man einen Hänger hat. Ist man in einer solchen Situation, sollte man hier wieder möglichst schnell herauskommen. Dazu braucht es aber eine Strategie, also etwas was man bewusst macht. Eine solche Vorgehensweise wäre, dass man sich voll auf die Schusstechnik konzentriert. Die Treffer müssen einem dabei egal sein. Das ist leichter gesagt als getan. Um das zu lernen kann man einen Leistungseinbruch simulieren. Habe ich normalerweise bei der Hälfte einer Parcoursrunde an die 240 Punkte, zieht man einfach 50 Punkte ab und versucht, sich ab jetzt nur mehr auf die Schusstechnik zu konzentrieren. Macht man das einige Male, hilft es später sicher aus solchen Tiefs herauszukommen.
Schießen bei Regen
Normalerweise macht man eine Parcoursrunde, wenn das Wetter einigermaßen passt. Bei einem Turnier kann man es sich aber leider nicht aussuchen. Wer aber vor allem bei Meisterschaften das durchstehen will, der sollte darauf vorbereitet sein. Die Ausrüstung, beginnend bei der Kleidung, beim Bogen und den Pfeilen muss für Regen angepasst sein. Das sollte man unbedingt einmal probieren. Also beim nächsten Wolkenbruch raus und die Ausrüstung testen. Wie man sich am besten ausrüstet, findet man in diesem Heft im Artikel: „Sch... Regen„.
Schießen mit defekten Federn
Oft passiert es, dass sich Federn teilweise oder ganz lösen. Und bei Regen werden sie nass. Vor allem dann, wenn man mit den defekten Pfeilen schießen muss, sollte man wissen, wie sie fliegen. Dazu kann man das mal austesten. Eine Feder wird von einem Pfeil entfernt und dann der Pfeil geschossen. Es geht dabei darum, herauszufinden, wie die Pfeile auf diese Beschädigung reagieren. Gleiches gilt für nasse Pfeile. Auch hier kann man drei nass machen und nur mit diesen schießen. Nur einige Schüsse sind vielleicht zu wenig. Man kann das ohne weiteres Mal auf einer halben Parcoursrunde testen.
Verändertes Bogensetup
Der Klassiker ist hier wohl die sich verändernde Standhöhe. Das Sehnengarn dehnt sich und im Lauf der Zeit wird es länger und damit die Standhöhe geringer. Um herauszufinden, wie der Bogen reagiert, kann man die Standhöhe absichtlich verstellen. Das sollte während des Schießens passieren. Man dreht die Sehne beispielsweise von einem auf den anderen Schuss um 10 Umdrehungen runter. Und dann schießt man. Wichtig ist dabei die Beobachtung, wie sich der Bogen verändert, ob er z.B. laut wird. Außerdem muss der Pfeilflug beobachtet werden. Wird er unsauber und wo trifft er? Nun schießt man einige Pfeile. Danach kann man die Standhöhe wieder auf normal stellen und das Gleiche beobachten. Das Ganze kann man öfter machen.
Schlechte Haltung
Passt man nicht auf, kann es leicht passieren, dass die Haltung nicht passt. Sehr oft ertappt man sich, dass der Stand nicht ok ist. Vor allem im Gelände kommt das sehr oft vor. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich ein falscher Stand oder auch ein falsches T auswirken kann, macht man bewusst diese Fehler und beobachtet die Ergebnisse. Dabei sollte man auf Grund der Treffer ein Gefühl dafür bekommen, was man falsch gemacht hat.
3 ... 83
Beitrag bewerten
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
